Diese Tafel legitimiert Ihr Unternehmen als einen seriösen Betrieb, und unsere Reisegesellschaften steigen prinzipiell nur in Hotels und Pensionen ab, die von unserem Büro gekennzeichnet sind. – Hunderte von italienischen, österreichischen und spanischen Hoteliers sind schon der beinahe erpresserischen Drohung oder, wenn man so will, der verlockenden Suggestion solcher und ähnlicher Sprüche erlegen. Sie haben daraufhin tief in die Tasche gegriffen und ihren „Geschäftspartnern“, die sich mit gleichbleibender Unverfrorenheit als Reiseagenten großer Fremdenverkehrsinstitute ausgeben, beträchtliche Sümmchen zukommen lassen – im Austausch gegen käseplattengroße Emaille- oder Blechschilder. Der Gastwirt nun, der eine solche Visitenkarte – meist versehen mit dem Wörtchen „Empfohlen“ oder, was sich ja sehr viel besser macht, mit: Recommended, und zudem häufig noch auf das prächtigste geschmückt mit den Landesfarben der wichtigsten Reisenationen – an seinem Haus anbringt, sich zufriedenen Sinnes daneben setzt und auf die deutschen Touristen wartet, die bald in hellen Scharen sein Etablissement bevölkern sollen; dieser Gastwirt also wartet oft vergebens, denn er weiß nicht, daß er Schwindlern aufgesessen ist.

Diese Wochen vor der sommerlichen Reisesaison wird die große Zeit all jener dunklen Existenzen, die als Vorhut der deutschen Reiselawine in die südlichen Touristenländer strömen. In Deutschland, wo sie in den vergangenen Jahren lange genug ihr Unwesen getrieben und sich am „Schildergeschäft gesund gestoßen“ haben – so der Fachjargon –, ist das Feld mittlerweile abgegrast. Nicht so im neuen, südlichen Wirkungsfeld der Werbeagenten. Die „Geschäftsbedingungen“ haben sich kaum verändert: Der Agent, der dem Hotelier ein Empfehlungsschild aufschwatzt, kassiert dafür als „Einschreibgebühr“ runde hundert Mark, die er in seine eigene Tasche wandern läßt. Die jährlichen „Mietkosten“ von gleichfalls etwa hundert Mark – meist legen geschickte und verklausulierte Verträge den Gastwirt auf mehrere Jahre fest – sind dann an die Heimatfirma zu entrichten.

Auf die feinen Schilder ist also, das sollten alle Reisenden wissen, kein Verlaß. Weder wird nämlich ihre Vergabe von einer vorherigen Prüfung des Hotels abhängig gemacht, noch werden später irgendwelche Kontrollen durchgeführt. Auch viertklassige Unterkünfte dürfen sich dem Reisenden als „empfohlen“ präsentieren, sobald sie ihren Obulus an die Schilderverkäufer entrichtet haben.

In dem unübersichtlichen Gewirr all dieser Empfehlungsschilder bilden Oasen der Redlichkeit die Schilder des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) und die des Automobil-Clubs von Deutschland (AvD), deren Vergebung eine gründliche Kontrolle vorangegangen ist. Der Tourist merkt oft zu spät, daß Bezeichnung nicht immer Auszeichnung bedeutet. grs.