H. D., Kaiserslautern

Wer vermittelt ungarische Mädchen in die Bars und Nachtlokale der Westpfalz? Diese Frage beschäftigt die Kriminalpolizei in Rheinland-Pfalz, seitdem die 18jährige Maria Csik und die 21jährige Magdolna Ferencz in einem der zahllosen, vorwiegend von amerikanischen Soldaten besuchten Klubs von Kaiserslautern aufgerufen wurden. Sie hatten dort ohne polizeiliche Anmeldung als Animierdamen gelebt, wie sie unter Tränen berichteten.

Anfang Dezember waren die beiden Ungarinnen als Flüchtlinge in Österreich eingetroffen. Um so schnell wie möglich nach Westen zu kommen, schlugen sie sich auf eigene Faust bis nach München durch. Als sie hier keine Arbeit fanden, versuchten sie, nach Österreich zurückzukehren, wurden aber vom Münchener Flüchtlingslager aus in das rheinland-pfälzische Lager Osthofen bei Worms eingewiesen. Von dort wurden sie als Konfektionsarbeiterinnen nach Mainz vermittelt; wiederum in ein Lager. Das paßte ihnen nicht, zumal von 140 Mark Monatsverdienst der größere Teil für Verpflegung und Unterkunft einbehalten wurde. Maria und Magdolna reisten daher per Anhalter nach München zurück. Dort trafen sie auf dem Hauptbahnhof einen ungarisch sprechenden Mann, der ihnen ein Privatquartier bei einer gleichfalls ungarisch sprechenden Frau und gut bezahlte Arbeit in einem Stuttgarter Betrieb in Aussicht stellte. Als die beiden Mädchen bei ihrer Quartiergeberin eintrafen, fiel ihnen auf, daß der Mann, der sie vom Bahnhof dorthin gebracht hatte, bei der Zimmervermieterin hundert Mark Vermittlungsgebühr kassierte und dann eilig verschwand.

Maria und Magdolna wurden dann in ihrem neuen Quartier von einer anderen Frau abgeholt, die bereits drei Fahrkarten bei sich hatte – angeblich nach Stuttgart. Als die Reise endete, stand allerdings auf dem Bahnhofsschild „Kaiserslautern“.

Nach Ansicht der Pfälzer Kriminalpolizei deuten die Münchner Erlebnisse der beiden Ungarinnen nicht auf einen Einzelfall, sondern auf wohlorganisierten Mädchenhandel...