Es dürfte in Deutschland nicht viele Unternehmen mit dem Gewicht von immerhin 25 Mill. DM AK geben, bei denen die durchaus ernst genommene HV mehr an ein Volksfest als an eine Versammlung von Anteilseignern erinnert. Und es liegt gewiß nicht nur am Objekt, dem Bier urd ähnlichen Getränken, wenn Schultheiss-Brauerei AG, Berlin, ihre HV alljährlich fast in der Form, eines Familientages abhält. Wie eine repräsentative Erhebung ergeben hat, besitzen 90 v. H. aller Aktionäre Kapitalanteile von weniger als 3000 DM, sieben v. H. erreichen die Grenze von 6000 DM, und nur die restlichen drei v. H. entfallen auf Großaktionäre. Die letzte HV, in der Vorstandsvorsitzer Hans Sixtus wie ein leibhaftiger Gambrinus mit überlegenem Humor und nie verlegener Sachkenntnis über das bis in die letzten Einzelheiten erfreuliche und erfolgreiche Geschäftsjahr 1955/1956 (30. 9.) und den nicht minder verheißungsvollen Verlauf des neuen Jahres berichtete, bot eine der seltenen Gelegenheiten einhelliger Zustimmung der Aktionäre und kritikloser Annahme aller Vorschläge der Direktion, nicht weil man sich als Besitzer eines minimalen Anteils den versierten Geschäftsleuten nicht gewachsen fühlte, sondern weil man nach allen Erfahrungen und Erfolgen das Unternehmen in den besten Händen weiß.

Wer hätte auch dagegen opponieren sollen, daß die Dividende um 2 auf 9 v. H. heraufgesetzt wurde, daß die neuerworbenen Tochtergesellschaften Engelhardt-Brauerei AG, Berlin, und Malzbierbrauerei Groterjan AG, Berlin, auch in der Zeit, als sie bis vor kurzem wegen ungeklärter Restitutionsansprüche noch unter Treuhänderschaft standen, Dividenden von 8 und 9 v. H. erwirtschaftet haben? Wer hätte etwas dagegen einwenden sollen, daß die künftigen Dividendenaussichten keinesfalls schlechter sein werden und daß die Unternehmensleitung trotz steigender Unkosten davon überzeugt ist, den seit 1951 stabilen Bierpreis auch weiterhin halten zu können? Bei einer solchen Geschäftsentwicklung war auch kein Widerspruch gegen den Vorschlag zu hören, die restlichen Vorzugsaktien mit einer Dividendengarantie von nur 5 v. H. endlich in Stammaktien umzuwandeln. Und wenn die Berliner Kleinaktionäre, die nicht selten früher zur Belegschaft des Unternehmens gezählt haben, u. a. aus dem Munde „ihres“ Generaldirektors vernahmen, daß Schultheiss jetzt an allen wichtigen Brennpunkten des Bundesgebietes mit repräsentativen und werbewirksamen Ausschanklokalen vertreten ist, so ging ihnen diese Mitteilung ebenso angenehm ein wie das gut bürgerliche Frühstück, das die Versammlung beschloß. G. G.