Mit sichtlichem und wohl auch berechtigtem Stolz berichteten Wirtschaftler und Beamte nun nach ihrer Rückkehr in Köln über ihre Eindrücke und Erfahrungen während der Deutschen Industrie-Ausstellung in Kairo. Direktor Dr. Schulz vom Vorstand der DEMAG wertete die Auflockerung handelspolitischer Fronten als besonders wichtig. Natürlich wird niemand erwarten, daß der Entschluß der ägyptischen Regierung, über das deutsch-ägyptische Baumwollgeschäft als dem Angelpunkt eines intensiveren Handels zwischen beiden Ländern mit sich reden zu lassen, in kürzester Zeit schon tragbare Erfolge zeigen wird. Wenn aber dennoch in diesen Tagen westdeutsche Baumwollexperten ihre Koffer packen, um nach Kairo zu reisen, so dürfte dies unterstreichen, wie wichtig und nützlich das Kairo-Engagement der Industrie für die gesamte westdeutsche Wirtschaft war.

Aber nicht nur für die westdeutsche Wirtschaft. Dr. Schulz gab mit diplomatischer Reserve zu verstehen, daß die Ausstellung in Kairo auch für die französische und englische Industrie nützliche Folgen haben werde. Jedenfalls dürften in diesen Tagen Ingenieure einer mit deutschen Gesellschaften zu einer Arbeitsgemeinschaft verbundenen französischen Firma in Kairo eintreffen. Der deutsche Aufwand von 20 Mill. DM hat sich also nicht nur für die Bundesrepublik gelohnt, sondern scheint auch zerrissene Fäden nach anderen Ländern wieder zu knüpfen. Wie Ministerialrat Dr. Schulz-Fincke vom Bundeswirtschaftsministerium berichtete, hätten führende arabische Wirtschaftler erklärt: „Die Deutsche Industrie-Ausstellung in Kairo war die letzte Brücke des Westens zur arabischen Welt.“ An dieser Brücke hat übrigens, wie Dr. Tigges, der Präsident des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der deutschen Wirtschaft betonte, der deutsche Botschafter in Kairo fleißig mitgebaut.

Es gab, wie die Kairo-Fahrer sagten, auch Kritik. Sie bezog sich vor allem auf das Fernbleiben des bundeseigenen Volkswagenwerkes, dessen Leistungen auch in den arabischen Staaten als Symbol deutschen Wirtschaftsaufschwunges gilt. Und dann fiel in Kairo auf, daß ausgerechnet das Werk der deutschen Rundfunkindustrie, das von Fürth aus den nahöstlichen Markt „beherrscht“, ausgeblieben war. Die Ägypter hätten ferner noch gern deutsche Textilmaschinen gesehen. Aber: Die Beteiligung an einer Industrieausstellung im Auslande kann man ja nicht befehlen. D.