Die fünfprozentigen Pfandbriefe, deren Zinsen steuerfrei sind, liegen seit Monaten unter Verkaufsdruck. Da die Sperrfristen für die steuerbegünstigte Anlage abgelaufen sind (und da nach den Vorschriften nur der Ersterwerb steuerbegünstigt ist), werden diese Pfandbriefe verkauft, um Mittel für eine weitere steuerbegünstigte Anlage frei zu machen. Inzwischen sind die fünfprozentigen Pfandbriefe nun so weit gefallen, daß eigentlich niemand ohne triftigen Grund mehr verkaufen sollte. Einige Emissionen sind bereits um 89 v. H. erhältlich; das bedeutet eine steuerfreie Effektivverzinsung von 5,6 v. H. Dieser Satz ist auch im Hinblick auf die achtprozentigen Papiere ganz beachtlich, deren Zinsen (bei mehr als 600 DM Einnahmen aus Kapitalvermögen jährlich) bekanntlich tarifbesteuert werden müsser. Wesentlicher als die Verzinsung der Pfandbriefe erscheint jedoch ihre Kurschance. Sieht man sich nämlich einmal die Bewertungen der fünfprozentigen öffentliches Anleihen (Zinsen ebenfalls steuerfrei) an, dann entdeckt man, daß diese Papiere am pari (oder sogar darüber) notiert werden. Die Ursache für die unterschiedliche Notierung liegt in den verschiedenen Laufzeiten. Die öffentlichen Anleihen müssen alle in den nächsten Jahren zurückgezahlt werden. Die fünfprozentige Bundesanleihe von 1952 wird bereits am 1. Dezember 1957 zu 100 v. H. fällig. Diese Papiere haben eigentlich schon Geldmarktcharakter. Die beste Kursstütze ist hier zweifellos die baldige Pari-Rückzahlung.

Bei den fünfprozentigen Pfandbriefen sind die Laufzeiten beträchtlich länger. Sie gehen teilweise in das nächste Jahrhundert hinein. Aber diese Langfristigkeit wird weniger stören, wenn das Volumen der kurzfristigen öffentlichen Papiere erst merklich abnimmt. Da man heute fest entschlossen ist, keine neuen steuerfreien Papiere mehr herauszubringen und andererseits diese Papiere für gewisse Gruppen (Körperschaftssteuerpflichtige usw.) sehr interessant sind, wird aller Wahrscheinlichkeit nach der heute darniederliegende Kurs der fünfprozentigen Pfandbriefe eines Tages wieder steigen, nämlich dann, wenn die Interessenten auf die langfristigen Papiere angewiesen sind, um in den Genuß der Zinssteuerfreiheit zu gelangen. Wer also diese Papiere heute hat und nicht gezwungen ist, sie zu verkaufen, wird vermutlich eines Tages erleben, wie der gegenwärtig als schmerzlich empfundene Kursverlust wieder wettgemacht wird. K. W.