H. G., Heidelberg

Der Direktor einer Heidelberger Mittelschule hat dieser Tage einen bemerkenswerten Bericht veröffentlicht. Es interessiert sich dieser Pädagoge nämlich nicht nur dafür, was die mehr als 1000 Kinder seiner Schule während der Wochentage im Unterricht leisten, sondern auch dafür, wie sie ihren Sonntag und ihre Ferien verbringen.

Nicht weit von der Schule liegt ein Tierpark. „Den werden sie doch gewiß alle kennen“, dachte der Schulmann, bevor er das Ergebnis seiner kleinen Umfrage auf dem Schreibtisch liegen hatte. Weit gefehlt! Und ebensowenig wie den Tierpark kennen viele den Botanischen Garten oder die bewaldeten Berghänge, die unmittelbar zum Stadtgebiet gehören und auf die täglich der Blick fällt. Hat man das gelesen, verwundert nun kaum noch die an sich doch recht verwunderliche Nachricht, daß ein Viertel der Kinder dieser Heidelberger Schule das Neckartal noch nicht gesehen und Namen wie Dilsberg oder Stift Neuburg allenfalls aus dem Unterricht kennt. Wer indes glaubt, diesen Heidelberger Schülern bliebe die Welt verschlossen, der lasse sich sogleich berichten, daß jedes dritte Kind – die unteren Klassen nicht ausgenommen – vom Meer, von anstrengenden Museumsmärschen durch Rom, von Wiener Süßspeisen und Schweizer Schokolade lebhaft zu erzählen weiß.

Befragungen in anderen deutschen Schulen kämen wahrscheinlich zu einem ganz ähnlichen Ergebnis. Doch springt das Beispiel dieser Stadt, die ja selber Ziel für Tausende von Touristen, auch aus Übersee, ist und in einer so herrlichen Landschaft liegt, besonders ins Auge.