Mit einer Überraschung endete das am vergangenen Wochenende auf der Themse in London zum Austrag gelangte weltberühmte Duell der beiden Universitäts-Rudermannschaften von Cambridge und Oxford. Die Crew von Oxford, die auf Grund ihrer hervorragenden Trainingsleistungen allgemein und unbestritten in diesem Jahr als Favorit galt, wurde mit zwei Längen Abstand klar geschlagen, nachdem sie lediglich über die erste Meile die Führung innegehabt hatte. Dann rückte der Achter von Cambridge auf und zog an der Hammersmith-Brücke gleich, um am Ende der zweiten Meile an die Spitze zu gehen, die er bis zum Ziel nicht mehr abgab. Alle Bemühungen der „Dunkelblauen“, die im „amerikanischen“ Stil ruderten, während die „Hellblauen“ getreu ihrer Tradition und der Lehre ihres bekanntesten Trainers Steve Fairbairn dem sogenannten „englischen“ Stil huldigten, endlich einmal wieder als Erste durchs Ziel zu gehen, waren vergeblich. Nur zweimal konnte in dem letzten Jahrzehnt Oxford den Sieger stellen. Die Gesamtbilanz des Rennens lautet nun 57 Siege für die „Hellblauen“ und 45 Siege für die „Dunkelblauen“.

Zum hundertunddrittenmal trafen sich in diesem Jahr die Ruderstudenten vom Cam und von der Isis in ihrem Achterkampf. Trotz der Fernsehübertragung standen wiederum, wie jedes Jahr, viele Hunderttausende an den Ufern der Themse. Dieses Wettrennen Oxford–Cambridge ist noch immer der reinste Amateur-Wettbewerb, den es auf der Welt gibt: Das Siegerboot erhält nicht einmal einen Ehrenpreis, die Teilnehmer bekommen nur ein kleines Andenken, das aber hoch im Kurse steht, auch wenn es oft nur der Wollschal ist, den sie beim Training-trugen.

Die Angst vor dem Bezahlen einer Zeche stand Pate bei der Geburt dieses Sportkampfes. Wer nämlich als Letzter von den üblichen Wochenendausflügen zu Boot, die damals in Oxford große Mode waren, nach Hause zurückkehrte, mußte das vorher gemeinsam eingenommene Mittagessen bezahlen. So wurde die Rückfahrt automatisch zu einem Rennen, und aus diesem harmlosen Vergnügen erwuchs mit der Zeit einer der bedeutendsten sportlichen Wettbewerbe, der ebenbürtig neben dem Derby in Epsom, dem Endspiel um den britischen Fußballpokal in Wembley und den Tennismeisterschaften von Wimbledon steht und alle anderen Sportkämpfe der Welt nicht nur an Popularität, sondern auch an innerem Wert überragt.

Im Jahre 1829 fand der erste Wettkampf zwischen den beiden Universitäten statt, doch erst 1856 wurde das Rennen ein fester Bestandteil des Sportprogramms der zwei Hochschulen.

Mit einer recht delikaten, aber auch ungemein schwierigen Frage hatten sich dieser Tage die Sachverständigen für die Regelauslegungen des britischen Schwimmverbandes zu befassen. Es ging darum, zu entscheiden, ob ein Schwimmer, der zwar als erster in einem Wettbewerb ankommt, aber dabei seine Badehose verloren hat, auch zum Sieger erklärt werden kann. Dieser Fall ereignete sich unlängst in Newcastle. Die Funktionäre des Verbandes wollten nun nicht als Sittenrichter auftreten, sondern lediglich eine kniffliche Frage des Sports klären, da ein Mensch schneller schwimmen kann, wenn er völlig nackt ist, als wenn er mit einer auch noch so kleinen Badehose bekleidet ist. Das Urteil lautete: Auch ohne Badehose bleibt man Sieger. W. F. K.