Australien ist für uns ein dunkler Kontinent. Aber die große Entfernung dieses Erdteils von Europa mindert für uns seine Bedeutung heute nicht mehr. – Zwei Bücher vor allem sind es, die unserem Informationsbedürfnis Rechnung tragen, von denen freilich das eine schon manchem bekannt sein, dürfte, weil es zuerst 1939 erschien unter dem Titel „Der menschenleere Kontinent, Australien“. Es kam jetzt neu heraus:

Heinrich Hauser: „Australien – Der fünfte Kontinent“, 1956 neu bearbeitet von H. Heinisch und R. Jaspert, Safari-Verlag, Berlin, 452 S., 12,50 DM.

Der bekannte Schriftsteller Hauser ist mehrmals in Australien gewesen, zuerst als 19jähriger im Jahre 1920, er hat dort allein eineinhalb Jahre auf einer Rinderfarm gearbeitet – in einem souveränen Stil schildert er mit aller Beschaulichkeit eines Schriftstellers nicht nur, was er gesehen und gehört, sondern was er erfahren hat. Klar und eindrucksvoll entsteht das Bild Australiens der zwanziger Jahre und in aller Lebendigkeit die Geschichte dieses Kontinents. Weil jedoch gerade die wenigen letzten Jahre soviel in unserer Welt verändert haben, wurde zur Neuauflage eine Bearbeitung notwendig, die der Autor selbst noch begann. 1955 starb er; andere führten diese schwierige Aufgabe zu Ende. Sie haben es mit Vorsicht getan, aber nicht ganz konsequent: Wir finden zwar, wo es um statistische Angaben geht, meist Vergleichszahlen bis 1955, aber auch Angaben, die noch in Reichsmark gemacht sind. Und wo vom Weltverbrauch der Zellwolle die Rede ist, wird ein Vergleich mit 1937 angestellt ungeachtet der Tatsache, daß die synthetische Grundstoffproduktion gerade erst in den Nachkriegsjahren einen gewaltigen Aufschwung genommen hat und solch alte Vergleiche völlig nichtssagend sind. – Vielsagend und instruktiv bleibt das Werk Hausers dennoch in seiner gründlichen Anlage und thematischen Vielfalt.

Völlig anders angelegt ist das Buch eines Journalisten, der 1956 eine Reise durch Australien unternahm:

Werner G. Krug: „Viel Känguruhs und wenig Menschen – Australien, die neue Welt von morgen“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 351 S., 12,50 DM.

Den schwachen Punkt eines solchen Reiseberichts finden wir schon bei Hauser genau bezeichnet, der schreibt: „Alles, was ich erzählt habe, ist nichts für die Feder eines Journalisten, der mit einer weiträumigen modernen Verkehrsmaschine einen Abstecher nach Australien macht und ad hoc schreibt. Denn er sähe nur die Fassade.“ Nun – ganz so ist es bei Krug nicht, wenn natürlich auch ein flugzeugreisender Journalist von 1956 nicht mit der beschaulichen Gründlichkeit eines Schriftstellers der zwanziger Jahre konkurrieren kann. Aber gerade die Fassade ist es, die unsere Zeit repräsentiert, die in ihrer schillernden Buntheit so aufschlußreich sein kann. Während Hauser sich mit der Geschichte und den Phänomenen des Landes beschäftigt – Steppenbrand, Schafschur, Pioniersturm, Dürre und Regenzeit –, sieht Krug vor allem das vordergründige Gesicht dieses Kontinents und seine Menschen. Die vielen Gespräche und Begegnungen werden besonders lebendig in seinem knappen Stil, der spritzig und flott, zuweilen aber auch etwas flach sein kann. Man könnte zudem einwenden, es sei zu sehr eine Reise durch die australischen Bierhäuser geworden, und seine subjektive Berichterstattung gäbe dem Leser ein etwas schiefes Gesamtbild – zum Beispiel: Der Australier ist nur zum Biertrinken da; alle Eingeborenen stinken. Das meint der Autor aber gewiß nicht, vor allem da einige seiner Erlebnisseso interessant und aufschlußreich sind, daß sie unser Infomationsbedürfnis über diesen unbekanntesten Kontinent vollauf befriedigen. – Die beiden Bücher machen sich gegenseitig nicht überflüssig; sie zeigen gemeinsam Australien, wie es wirklich ist, o. f.

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Cervantes-Ausverkauf nach Übersee? Die 9000 Bände der größten Cervantes-Bibliothek sind jetzt von ihrem privaten Besitzer in Barcelona aus wirtschaftlicher Not für 800 000 Mark zum Verkauf nach Übersee angeboten worden. Damit zerschlägt sich der jahrzehntealte, wegen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten der spanischen Kulturorganisationen nie ausgeführte Plan, die verschiedenen in Staats- und Privatbesitz befindlichen Cervantes-Bibliotheken als Nationalheiligtum zu vereinen. Mehrere spanische Dichter und Schriftsteller versuchen jetzt noch in letzter Minute, die Finanzkreise ihres Landes zum Ankauf dieser wertvollsten Sammlung der Kommentare und verschiedenen Ausgaben der Werke des Schöpfers des ‚Don Quichotte zu bewegen. Miguel de Cervantes fand neben Goethe die meisten Kommentatoren und größten Übersetzungszahlen.