In letzter Zeit zeichnet sich bei den Hypothekenbanken die Neigung zu einer elastischeren Emissionspolitik ab, als sie bisher betrieben wurde. Um an den Markt heranzukommen, muß nach Fortfall wichtiger steuerlicher Begünstigungen auch mit marktgerechten Konditionen gearbeitet werden. Dabei scheut man verständlicherweise einen hohen Zins. Da der sechsprozentige Pfandbrief heute nicht mehr haltbar ist, scheint der Weg in Richtung auf 7,5prozentige Papiere zu führen. Ein achtprozentiger Typ soll offensichtlich aus optischen Gründen vermieden werden. In ihrem Geschäftsbericht für 1956 tritt die Rheinische Hypothekenbank Mannheim für eine Marktanpassung vom Emissionskurs her ein. Sie schreibt: „Es braucht kein Dogma zu sein, daß der Emissionskurs dicht an pari liegen muß!“ In dieser Auffassung wird das Mannheimer Institut durch den Vorstandsvorsitzenden Dr. Franz Rilinger der Deutschen Hypothekenbank AG, Berlin-Hannover, bestärkt, der auf der HV seines Instituts den Standpunkt vertrat, daß man nicht zum achtprozentigen Typ übergehen sollte, da dann die Preisspirale ins Rollen kommen könnte und weiter die Gefahr bestehe, daß die Industrie mit neunprozentigen Anleihen an den Markt geht. Deshalb habe die Deutsche Hypothekenbank den Antrag auf Ausgabe 7,5prozentiger Pfandbriefe zum Kurs von 96 v. H. gestellt. Sollte der Absatz schwierig werden, dann würde man den Kurs auf 95 oder 94 v. H. zurücknehmen.

Der Vorteil des variablen Emissionskurses liegt ohne Zweifel darin, daß er viel feingradiger zu handhaben ist als die Marktanpassung vom Zinsfuß her. Andererseits begibt man sich aber auch gleichzeitig des Anreizes, den ein, hoher Zinsfuß nun einmal für viele Kapitalanleger besitzt, obgleich ein hoher Zins plus hohem Ausgabekurs oder ein niedriger Zinsfuß plus niedrigem Ausgabekurs die gleiche Effektivrendite bringen. Doch erfahrungsgemäß rechnet der „Mann auf der Straße“ ungern mit diesen Feinheiten. Für den Kapitalnehmer sind dagegen beide Konstruktionen gleich teuer.

Bei der Rheinischen Hypothekenbank Mannheim lagen die Beleihungsschwerpunkte wie bisher in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen: Daneben wurde das Aktivgeschäft in Berlin besonders gepflegt. Infolge früherer Zusagen erhöhten sich die Auszahlungen auf 61,5 (59,3) Mill. DM. Am 31. 12. 56 waren für 338,4 Mill. DM Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen im Umlauf. Dazu kommen für 26,1 Mill. DM Namensschuldverschreibungen zur Sicherung aufgenommener Darlehen. Es wird auf das Grundkapital von 9 Mill. DM eine Dividende von 9 (8) v. H. gezahlt. dt.