Der Wiederaufstieg der Thyssen-Hütte geht schnell voran. Getragen von der expansiven Konjunktur und gelenkt von einem zielklaren unternehmerischen Vorstand hat die August Thyssen-Hütte AG, Duisburg-Hamborn, mit ihren Produktionszahlen bereits die vierte Stelle unter den Stahlwerken der Bundesrepublik erreicht. Sie wird diese Position im Zuge des weiteren Ausbaus noch verbessern. Die Ausweitung des Beteiligungs-Portefeuilles von 28 auf 78 Mill. DM im vergangenen Jahr und der bevorstehende weitere erhebliche Ausbau von Organschaften und Beteiligungen hat aus dem wohl mit am härtesten von Entflechtung und Demontage betroffenen Werk inzwischen einen Konzern gemacht, dessen Ausbau noch nicht beendet ist.

Bei der Thyssen-Hütte liegen zur Zeit 51 v. H. am 23-Mill.-DM-AK der Erin Bergbau AG, Castrop-Rauxel, des schwarzen Diamanten des Reviers (aktiviert mit 250 v. H. des Nennwertes), ferner 96 v. H. von 41,4 Mill. DM AK der Niederrheinischen Hütte AG, Duisburg (wovon in der Bilanz zum 30. September 1956 erst 67,6 v. H., mit 200 v. H. aktiviert, verbucht sind), ferner 32,5 v. H. von 15 Mill. DM Kapital der Rheinische Kalksteinwerke GmbH, Wülfrath, und je 25 v. H. an den Kapitalien der Barbara Erzbergbau AG, Düsseldorf, der Dolomitwerke GmbH, Wülfrath, und der Vereinigte Ton- und Quarzitbetriebe GmbH, Siegen. Außerdem ist die Thyssen-Hütte mit 50 v. H. an der gemeinsam mit der Armco Steel Corporation, USA, gegründeten Armco-Thyssen Breitwand-Verarbeitung GmbH, Dinslaken, beteiligt. Über Niederrheinhütte liegen 100 v. H. der Kapitalien der Westfälischen Union AG, Hamm, der Lennewerk Altena GmbH, Altena, und der Eisenwerk Steele GmbH, Essen-Steele, bei Hamborn. Ein erheblicher weiterer Ausbau erfolgt in Kürze durch Übernahme der Aktienmajorität der Deutsche Edelstahlwerke AG, Krefeld, aus dem Besitz der Anita Gräfin de Zichy, Tochter des alten Fritz Thyssen, wogegen junge ATH-Aktien zur Verfügung gestellt werden.

Diese Beteiligungsvorgänge spiegeln sich in der Veränderung des Aktienkapitals wider. Das vorjährige Kapital von 115 Mill. DM erhöhte sich durch die erste Niederrhein-Transaktion auf 150 Mill. DM. Es erfolgte im Juli 1956 eine echte Kapitalerhöhung um 75 auf 225 Mill. DM und im Zuge der zweiten Niederrhein-Transaktion aus dem Fonds des genehmigten Kapitals eine weitere Aufstockung auf jetzt 240 Mill. Die DEW-Transaktion wird die Ausgabe von etwa 35 Mill. DM neuer Thyssen-Aktien bedeuten, so daß noch etwa 25 Mill. unbenutzte AK-Linie vorhanden ist.

Der oHV am 10. Mai wird vorgeschlagen, weiteres genehmigtes Kapital in Höhe von 70 Mill. DM zu schaffen, was zum Teil wohl für neue Konzentrationen, vermutlich in Richtung Kohle, zum Teil zu einer echten Kapitalerhöhung, benutzt werden könnte.

Parallel zur Konzernfundierung ist der technische und produktioneile Ausbau vorwärtsgetrieben worden. Die Hütte produzierte im Berichtsjahr zum 30. September 1956 mit 1,6 Mill. t 22 v. H. mehr Rohstahl als im Vorjahr, mit 1,3 Mill. t um 33 v. H. mehr Walzstahl und erhöhte den Wertumsatz um 38 v. H. auf 706 (513) Mill. DM. Zur Zeit beträgt die Rohstahlkapazität 1,9 Mill. t. Sie wird im Herbst nach Fertigstellung weiterer Neubauten im Stahlwerk 2,4 Mill. t betragen. Die Planung sieht eine nochmalige Ausweitung auf 2,9 Mill. t vor. Im August wird der siebente und im Herbst nächsten Jahres ein achter Hochofen in Betrieb kommen. Zusammen mit der Niederrheinhütte produziert Thyssen gegenwärtig 10 v.H. der deutschen Roheisenerzeugung, 8,5 v. H. der Rohstahl- und 9,2 v. H. der Walzstahlfertigung.

Im ersten Halbjahr 1956/57 wurden im Vergleich zum Monatsdurchschnitt des Geschäftsjahres folgende Ergebnisse erzielt: 118 000 (101 000) t Koks, 124 000 (121 000) t Roheisen, 136 000 (130 000) t Rohstahl (ab April 160 000) und 115 000 (112 000) t Walzstahl. Der Umsatzwert je Kopf der Belegschaft hat monatlich 7000 DM erreicht.

Diese Ergebnisse sind nach Investitionen von bisher 498 Mill. DM erreicht worden. Die weiteren Investitionen erfordern etwa 209 Mill. DM. Zugleich hat sich die Ertragskraft der Hütte außerordentlich verbessert. Dies spiegelt sich nicht nur in einem erstmalig ausgewiesenen Reingewinn von 13,5 Mill DM und der Zahlung einer ersten Dividende von 8 v.H. wider, sondern auch in dem Wandel der Selbstfinanzierungsquote im Wiederaufbau. Standen zunächst praktisch nur Fremdmittel zur Verfügung (1953/54 von 153 Mill. DM Investitionen 24,2 Mill. eigene Mittel), so waren es 1954/55 schon über 50 v. H., im Berichtsjahr über 75 v. H., und im laufenden Jahr werden die wieder etwa 125 Mill. DM ausmachenden Investitionen zu über 90 v. H. selbst finanziert werden können.

Hand in Hand mit dem Produktionsausbau der Thyssen-Gruppe wächst der Rohstoffimportbedarf an Kohle, Erzen und Schrott. Bereits im Berichtsjahr wurden 3,5 Mill. t Auslandserze und rund 0,4 Mill. t US-Kohle für den Werksbedarf eingeführt. Um sich von den Spitzenfrachten zu entlasten, hat nun auch die Thyssen-Hütte mit dem Bau einer eigenen kleinen Flotte von drei Einheiten begonnen. Der erste Kohlenfrachter „August Thyssen“ ist bereits im Dienst. Zwei weitere von je 17 000 tdw werden auf den Nordseewerken in Emden gebaut. Alle drei Schiffe bereedert die Seereederei „Frigga“, Hamburg. R l t.