Wie viele Menschen möchten wohl auch einmal nach Indien, Afrika und Florida, nach Mallorca, Island und Finnland fahren oder gar eine richtige Weltreise machen? Gewiß, ein paar gibt es schon, die können das. Und ein paar müssen das sogar. Aber wie viele von den übrigen müssen jeden Gedanken auch nur an die kleinste Ferienreise in die Berge oder an die See mit dem Seufzer beiseiteschieben: Zu teuer, das können wir uns nicht leisten. Nun, auch für diese verständlich fernsüchtigen Leute gibt es bald eine kleine Chance. Die Fernseh-Lotterie „Die Reise ins Glück“ kann sie dem Ziel ihrer Wünsche näherbringen. Denn bei dieser Lotterie gibt es als Preise – ausgenommen je ein Familienhaus als Prämie und einigen hundert Nebenpreisen in jeder der drei Ziehungen – Reisen, nichts als Reisen. Bei jeder Ziehung 49 Fahrten ins Glück. Und alle diese Reisen schließen für zwei Personen Unterbringung und Verpflegung und die Kosten für Ausflüge und ein tägliches Taschengeld mit ein.

Wohin es geht? Zum Beispiel per Schiff, Flugzeug und Bahn in 40 Tagen um die ganze Welt oder in 17 Tagen nach Mittelafrika zur Großwildjagd, natürlich nur mit dem Photoapparat. Da gibt es außerdem noch 20 Tage auf Mallorca zu gewinnen, 24 Tage in Teneriffa, 14tägige Schiffsreisen nach Island, und Norwegen, 27tägige nach Südspanien und Portugal und einen 14tägigen Aufenthalt im spanischen Vigo. Aber auch die große Zahl der Sommerreisen nach Bayern, ins Rheinland und in den Schwarzwald oder an die See mit jeweils drei Wochen Aufenthalt – immer für zwei Personen – sind gewiß nicht zu verachten, genausowenig, wie eine 20tägige Reise durch die Hauptstädte Europas, 17 Tage auf Capri oder 23 Tage an der französischen Riviera. Alle Verkehrsmittel und alle Reisegesellschaften werden den Gewinnern ihre guten Dienste leisten. Wer übrigens zu diesen Gewinnern schon bei der ersten Ziehung am 27. April gehören will, tut gut daran, seinen in jedem Fall angelegten Obulus bis spätestens zum 16. April – auf den Poststempel kommt es an – auf das Postscheckkonto Hamburg 100 000, Stichwort „Berliner Kinder“, einzuzahlen.

Natürlich werden wie in jeder Lotterie nur wenige diese glücklichen Gewinner sein können, und auch der Einsatz ist mit 5,– DM verhältnismäßig hoch. Wer ihn dennoch wagen will, tut es in dem Bewußtsein, daß hinter dem schönen Glanz der Ferne, der uns da vorgezaubert wird, und hinter dem laut-fröhlichen Getriebe der Ziehungen, die alle drei vom Deutschen Fernsehen übertragen werden, ein sehr ernsthafter Zweck steht.

In Westberlin allein leben etwa 250 000 Kinder im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren, deren Spielplätze bislang die Straße, Trümmergrundstücke oder Hinterhöfe waren. Kinder, die nicht wissen, was Felder, Wiesen, Heide und Meer sind, die oft nicht einmal die gewöhnlichsten Haustiere, wie Schaf, Kuh und Pferd, vom Ansehen kennen. Diesen Kindern – im Staub und Dunst der großstädtischen Steinwüste von physischer und psychischer Verkümmerung bedroht – will das Hilfswerk Berlin eine Möglichkeit geben, ihre unbewußte Sehnsucht nach Natur und Kreatur zu stillen. Für vier bis sechs Wochen sollen sie genießen dürfen, was eine isolierte Großstadt ihnen schuldig bleiben mußte. Das aber kostet Geld, sehr viel Geld sogar, denn Freiplätze in westdeutschen Familien werden fast nur für kleine Mädchen angeboten. Also müßten die Jungen in gemieteten Kinderheimen untergebracht werden. Und auch an berufstätige Mütter und alte, alleinstehende Menschen soll diesmal gedacht werden. Und dafür vor allem soll die Fernseh-Lotterie das Geld einbringen. Jochen Richert‚ der Initiator und Organisator^ dieser Lotterie, hofft auf einen großen Erfolg, eine Hoffnung, die nicht unbegründet erscheint. Die im vergangenen Jahr unter dem Motto „Die große Chance“ veranstaltete Fernseh-Lotterie nämlich brachte schon einen Reinertrag von zwei Millionen DM.

Seither nun hat sich die Zahl der in der Bundesrepublik angemeldeten Empfänger verdoppelt. Sollten es also diesmal vier Millionen DM werden? Schön wäre es. Denn je größer die Beteiligung, desto mehr Reisen ins Glück werden herauskommen, nicht nur für die vom Glück begünstigten Gewinner, sondern vor allem auch für die Kinder von Berlin. J. P.