Der Wirtschaftsablauf des vergangenen Jahres hat auch den Geschäftsberichten der Banken ein etwas anderes Aussehen als in den Vorjahren gegeben. Dem Geschäftsbericht der ältesten öffentlichen Bank in Deutschland, der Braunschweigischen Staatsbank, ist zu entnehmen, daß sich der Umsatzanstieg verlangsamt. Die Umsätze betrugen 1954 = 14,0 Mrd. DM, 1955 = 17,0 und 1956 = 18,2 Mrd. DM. Während die Bilanzsumme 1955 noch um 16,7 v. H. gewachsen war, betrug die Zuwachsrate 1956 nur noch 13,6 v. H. Der Einlagenbestand hat sich zwar von 229,9 Mill. DM auf 241,2 Mill. DM erhöht, aber im wesentlichen nur deshalb, weil die Spareinlagen überdurchschnittlich um 15,4 v. H. zugenommen haben. Die Sicht- und Termineinlagen haben sich dagegen kaum verändert, bei den befristeten Einlagen ist sogar ein leichter Rückgang von 86,6 auf 83,6 Mill. DM zu verzeichnen. Es ist bemerkenswert, daß bei dieser großen Regionalbank des Braunschweiger Raumes die Spareinlagenentwicklung von der Suezkrise nur wenig beeinflußt wurde (in den Städten waren die Auswirkungen jedoch stärker als auf dem Lande).

Die nochmalige Erhöhung der Bilanzsumme ist vorwiegend auf den beträchtlichen Anstieg des langfristigen Realkreditgeschäfts zurückzuführen. Trotz der erheblichen Kapitalmarktenge konnte die Staatsbank im vergangenen Jahr eigene Schuldverschreibungen im Betrage von 23 Millionen DM absetzen und 20 Mill. DM sonstige langfristige Mittel hereinnehmen. Eine etwa entsprechende Zunahme ergab sich in den langfristigen Ausleihungen.

Sowohl die Liquiditäts- als auch die Ertragslage konnten weiter erfreulich verbessert werden. Die nach dem Richtsatz der BdL errechnete Liquidität, die neben der Barreserve den Scheck- und Wechselbestand in die liquiden Mittel einbezieht, betrug 40,4 gegenüber 37 v. H. am 31. Dezember 1955. An den Gewährträger, das Land Niedersachsen werden 1,2 (Vorjahr 0,8) Mill. DM ausgeschüttet. Das entspräche einer Dividende von 12 v. H. – Staatspräsident Dr. Nickel kündigte auf einer Pressebesprechung die Neuemission von 20 Mill. DM achtprozentige Kommunalobligationen mit einer Laufzeit von 12 Jahren (bei einem vermutlichen Emissionskurs von 98 v. H.) an. Das anlagesuchende Publikum sei stark zinsorientiert, meinte Dr. Nickel. Wenn die Pfandbriefinstitute sich nicht vom Markt verdrängen lassen wollten, müßten sie ihre Papiere zu den gleichen Bedingungen herauslegen wie die Industrie und de öffentliche Hand. -td