Bonn, Anfang April

Der Beamtenrechtsausschuß des Bundestages hat den Vorschlag, die 45-Stundenwoche im öffentlichen Dienst einzuführen, abgelehnt, nachdem er sie vorher einmal mit einer Zufallsmehrheit gebilligt hatte. Wie die Dinge liegen, wird die Abstimmung im Plenum das gleiche Ergebnis haben. Die Koalitionsparteien begründen die Ablehnung der von den Gewerkschaften und dem Beamtenbund geforderten Arbeitszeitverkürzung unter anderem wie folgt: Es würde in der Öffentlichkeit keinen guten Eindruck machen, wenn man mit der gesetzlichen Verankerung der 45-Stundenwoche ausgerechnet bei den Beamten des öffentlichen Dienstes begänne. Der öffentliche Beamte sei ohnehin eines besonderen Schutzes seines Dienstgebers teilhaftig. Deshalb müsse er auch Pflichten auf sich nehmen, die dieser Sonderstellung entsprechen. Überdies würde die Arbeitszeitverkürzung viele Neueinstellungen notwendig machen und damit den Etat zusätzlich belasten. Die Beamtenvertreter behaupten demgegenüber, diese finanzielle Mehrbelastung wäre wesentlich geringer, als es die Regierung darstelle, und die Arbeitszeitverkürzung würde einen heilsamen Zwang auf die öffentliche Verwaltung zur Forderung von Rationalisierungsmaßnahmen ausüben.

Der Schreiber dieser Zeilen kommt aus einer Beamtenfamilie und hat Grund zu sagen: Der deutsche Beamte, ob es der preußische, der württembergische oder der österreichische war, hatte seit Generationen ein hohes Berufsethos und legte niemals einen nur materiellen Maßstab’ an die Beurteilung seiner Pflichten und Rechte. Daß die Enkel jener Beamten heute nicht alle Wertmaße des Großvaters konservieren können, daß sie beispielsweise der Idee der gewerkschaftlichen Organisation anders als jener gegenüberstehen und daher ihre finanziellen Ansprüche auf dieser Ebene durchzusetzen versuchen, entspricht dem Zuge unserer Zeit. Dennoch wäre eine Identifizierung, ja auch ein zu weitgehender Vergleich mit der Tarifverhandlungssituation zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden der Privatwirtschaft für den öffentlichen Beamten deplaciert.

Die Substanz der von den Vätern übernommenen Ideale muß erhalten bleiben, wenn nicht das Berufsbeamtentum in seiner Idee in Frage gestellt werden soll! Die Glaubhaftigkeit des Berufsethos könnte angezweifelt werden, wenn der Frage, ob der Beamte seinen Dienst für die Allgemeinheit um drei Stunden ’n der Woche länger oder kürzer versehen soll, ein über ihre Bedeutung hinausgehendes Gewicht gegeben würde. Robert Strobel