Daß es Krämer gibt, die mit der Rechten den Schinken für das Abendbrot über die Theke reichen und mit der Linken die „Schwarte“ für das Nachabendbrot in Gestalt eines Abenteuer- oder Kriminalromans, ist eine Tatsache, die dem seriösen Leihbuchhandel schwer zu schaffen macht und auf die DIE ZEIT auch bereits ausführlich hinwies (Nr. 28/1956). Vor kurzem nun bot sich eine Möglichkeit, diesen Zustand mit einem Schlage zu beseitigen. Der „Bundestagsausschuß für Mittelstandsfragen“ beabsichtigt nämlich, dem Bundestag ein Gesetz über die Berufsausbildung im Einzelhandel vorzulegen. Nur der soll Einzelhändler sein dürfen, der nachweisen kann, daß er sein Fach versteht. Dazu ist die Prüfung als Kaufmannsgehilfe und zweijährige praktische Tätigkeit nötig oder eine fünfjährige kaufmännische Tätigkeit, wobei ein Jahr in leitender Stellung verbracht sein muß.

Mit der Begründung, daß das „Gewerbe der Buchvermietung“ kein Handel im eigentlichen Sinne sei, ist man nicht gewillt, den Leihbuchhandel in das neue Gesetz einzubeziehen. Nicht, daß wir der Ansicht sind, Gesetze seien Allheilmittel für kulturelle Mißstände, oder besonders auf jene Ungerechtigkeit hinweisen wollen, daß der Leihbuchhandel den gleichen öffentlichen Abgaben unterliegt wie andere Handelssparten, ohne sich gegen schädigende Auswüchse schützen zu können – aber hier wurde eine Chance verpaßt, eine Entwicklung zu bremsen, die allen Schund- und Schmutzverboten Hohn spricht. Wenn nämlich die schrankenlose Gewerbefreiheit im Leihbuchhandel weiterbesteht, während man im übrigen Handel eine scharfe Musterung abhält, dann ist damit zu rechnen, daß das Leihbuchgeschäft das Refugium für all jene wird, die wegen mangelnder Sachkenntnis zum Einzelhandel nicht zugelassen wurden und die bei ihrem „Ersatzjob“ kaum etwas daran hindert, im trüben zu fischen. g. sp.