In Zeiten einer sich abflachenden Konjunktur und gleichzeitiger Kapitalknappheit ist die Finanzierung mittel- und langfristiger Objekte ein schwieriges Kapitel geworden. Das gilt nicht nur für den Wohnungsbau, sondern auch für die gewerbliche Wirtschaft. Kein solider Geschäftsmann kann schon heute mit den Gewinnen von morgen finanzieren, wie es in den vergangenen Jahren immerhin mit einigem Erfolg gemacht worden ist. Aber einmal erwischt es jeden – und dann gibt es Verzweiflungsschritte, die dann in Zeitungsanzeigen folgenden Inhalts ihren Ausdruck finden: „Günstige Hypothekenverkäufe. Wir verkaufen erste Hypotheken von 5000 bis 50 000 DM. 10 bis 12 v. H. Zinsen. Nachlaß 10 bis 15 v. H. Laufzeit drei Jahre.“

Daraus spricht schon eine fast tödliche Notlage, denn unter Berücksichtigung des an gebotenen Nachlasses von 15 v. H. ergibt sich pro Jahr eine Verzinsung von 12 plus 5 v. H., das heißt von 17 Prozent. Das aufgenommene Kapital kostet also in den drei Jahren 51 v. H.! Wer solche Konditionen bietet, und noch dazu gegen hypothekarische Sicherheit, muß sich wirklich in einer finanziellen Klemme befinden, in der er wahrscheinlich auch aufhört, ein sicherer Schuldner zu sein. Es kann überall einmal vorkommen, daß ein Finanzierungsplan nicht aufgeht, aber wer es dann nötig hat, eine solche Offerte zu machen, der verdient in den seitesten Fällen Vertrauen. Das Vertrauen seiner Bank und der üblichen Geldgeber hat er jedenfalls schon nicht mehr – aber wahrscheinlich finden sich immer Leute, die bei diesen Gewinnchancen auch bereit sind, ein hohes Risiko einzugehen. K. W.