DIE ZEIT

Maulkorb für einen Minister?

Um den bayrischen Finanzminister Friedrich Zietsch ist ein rechter Wirbel entstanden, weil er es gewagt hat, sich in einem "Offenen Brief" gegen die Art und Weise zu wenden, wie der "Deutsche Beamtenbund" seine Forderung auf Erhöhung der Beamtengehälter motiviert.

Würde um Würde

Der Berliner SPD-Abgeordneten Frau Louise Schröder, die in der Zeit von Blockade und Luftbrücke als Oberbürgermeisterin der Reichshauptstadt amtierte, wurden zu ihrem 70.

Der Präsident ist müde

Seit seiner Neuvereidigung am 21. Januar ist Eisenhowers Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung merklich gesunken. Das fühlt man besonders jetzt, wo die Steuerklärungen für 1956 ausgefüllt werden müssen, eine Beschäftigung, die niemand Freude und den Steuernehmer Staat nirgends populär macht.

Selbstsucht greift an

Gelobt seien die Verbände, sie müssen sein! Sie geben den Schwachen, sofern sie nur ein Plätzchen auf den Mitgliederlisten haben, die Chance oder wenigstens die Hoffnung, höhere Löhne oder bessere Gewinne zu erzielen.

H-Bombe Lenin

Wer die Lehren der Geschichte auch in leichtchiffrierter Form lesen kann, wird erkennen, daß die erste unkonventionelle Bombe nicht auf Hiroshima abgeworfen wurde.

Der streitbare Erzbischof

Dem vor Jahresfrist von den Engländern nach der Seychellen-Insel Mahé verbannten Erzbischof von Zypern ist inzwischen von der britischen Regierung erlaubt worden, sich wieder frei zu bewegen.

ZEITSPIEGEL

Die Errichtung einer Niederlassung der sowjetischen Reeder- und Schiffsmaklerorganisation in Hamburg, der Sovracht, die die immer zahlreicher nach Hamburg kommenden russischen Schiffe abfertigen soll, war Gegenstand vorbereitender Gespräche zwischen dem Hamburger Verkehrssenator Plate und dem Vertreter der Sovracht, Aleksander Iwanow.

Parlamentskrach – Wehners Vergleich

Hat sich der SPD-Abgeordnete Wehner nur im Ausdruck vergriffen (was jedem, zumal in der Erregung, passieren kann) oder zog er den Vergleich zwischen Schröder und – Wyschinski in wohlbedachter Absicht? Denn ob er schon die beiden Personen: den ehemaligen sowjetrussischen Generalankläger und den deutschen Bundesinnenminister oder nur deren Methoden miteinander vergleichen wollte (wie dies Erich Ollenhauer später erklärte), das tut nicht viel zur Sache.

Überraschungen in Königswinter

Das Deutsch-Englische Gespräch in Königswinter, das alljährlich zwischen Parlamentariern, Journalisten und Leuten der Wirtschaft stattfindet, hat noch jedes Mal dazu beigetragen, Standpunkte herauszuarbeiten, die oft in dieser Deutlichkeit noch nirgendwo formuliert worden waren.

Gehalt und Ethos

Der Beamtenrechtsausschuß des Bundestages hat den Vorschlag, die 45-Stundenwoche im öffentlichen Dienst einzuführen, abgelehnt, nachdem er sie vorher einmal mit einer Zufallsmehrheit gebilligt hatte.

Pankows Kulturoffensive in Rom

Die „DDR“, die sich offenbar der Tatsache bewußt ist, daß sie als politischer Partner wenig attraktiv ist, verlegt sich jetzt auf Kulturpropaganda mit „fremden Federn“.

Helden oder Lumpenpack?

Unter dem Titel „Helden oder Lumpenpack“ veröffentlichte die englische Sonntagszeitung „Observer“ einen Brief des ehemaligen Ungarn George Mikes, der inzwischen als britischer Schriftsteller vor allem durch sein höchst amüsantes England-Buch „How to be an Alien“ bekannt geworden ist.

Mein Streit mit den Beamten

Die innenpolitische Sensation der vergangenen Woche war der Angriff der bayerischen Staatsbeamten auf Bayerns Finanzminister Friedrich Zietsch (SPD), der öffentlich Kritik an den Besoldungsforderungen der Beamtenverbände geübt und eine – wie er meint – untragbare Erhöhung der Bezüge abgelehnt hatte.

Brentano in 18 Betten

Es sei doch gewiß eine beneidenswerte und höchst interessante Reise gewesen, so begrüßte der Sprecher den eben von seiner Weltreise zurückgekehrten Bundesaußenminister auf der Bonner Pressekonferenz.

Warum Stalin stürzte

Warschau, im April Die Geheimrede, die Nikita Chruschtschow damals, am Zwanzigsten Parteitag hielt, und über deren Zweck und Ursache sogar heute noch auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges ein großes Rätselraten herrscht, war in Wirklichkeit die psychologische Vorbereitung einer umfassenden Reform des sowjetischen Wirtschafts- und Verwaltungssystems, also der zentralisierten totalen Planwirtschaft.

...dann freut sich der Dritte

Ein Dutzend Landesparteitage der CDU, SPD, der Deutschen Partei und des Gesamtdeutschen Blocks (BHE) boten am vergangenen Wochenende einen Vorgeschmack des Bundestagswahlkampfes.

Was nun, Herr Schäffer?

In seinem Beschluß vom 17. Januar hat das Bundesverfassungsgericht den § 26 EStG 1951, der sich mit der „Ehesteuer“ – sprich: der steuerlichen Zusamenveranlagung von Eheleuten – befaßt, für nichtig erklärt, und zwar wegen Verstoßes gegen Art.

Wer hat das gesagt?

Richtig wird es sein, wenn wir in den kommenden Jahren das Geld für eine weitere Erhöhung der Löhne jener Bevölkerungsgruppen verausgaben, die es am dringendsten benötigen.

Was übrigblieb...

Zur gleichen Zeit haben sie beide gearbeitet, Richard Haizmann und Gustav Heinrick Wolff, der die auf Seite 6 abgebildete Bronzegruppe „Orpheus und Eurydike“ 1928 fertigstellte.

Stuck oder nicht Stuck – das ist hier die Frage

Seit das Inferno des Bombensturmes in fast allen deutschen Landstrichen Kirchen und Dome in den Schutt sinken ließ, hat sich überall dort, wo man die Mauerkelle wieder in die Hand nahm, sogleich auch die schwere Frage gestellt: Restauration oder Neubau? Ganz verschieden sahen die Antworten aus.

Das abgewaschene Ärgernis

Ein Ärgernis wurde abgewaschen. Die 21 Heiligenfiguren im Hochchor der Lübecker Marienkirche sind über Nacht verschwunden. Arbeiter kamen in der Stille und machten Lübecks Glanz und Schande zu Wasser.

Begegnung mit Josua

Die Ausgrabungen im biblischen Hazor überraschten mit außergewöhnlichen Ergebnissen

Getanztes Labyrinth

Im pseudoantiken Palazzo des braunschweigischen Staatstheaters bestimmen antike Helden die Stunde des modernen Bühnenspiels.

Denkspiel um Schuld und Sühne

In diesem Dorfe steht das letzte Haus so einsam wie das letzte Haus der Welt“ singt Rilkes Stundenbuch. Dort, wo Dorfrand und Weltrand ineinander übergehen, ist auch Fritz Hochwälders „Herberge“ daheim; ein Dorfwirtshaus im Osten – irgendwo.

Reverenz für New York

In New York verbrachte ich knappe vierzehn Tage. Ich war in Museen, Galerien, Theatern, Konzertsälen, Universitäten, Colleges, Restaurants: ich habe die Stadt durchstreift; aber man frage mich nicht nach Namen oder wissenswerten Einzelheiten.

Denn Leipzig liegt nicht in Utopia...

Als einem der bedeutendsten Denker der kommunistischen Welt, dem heute 71jährigen Professor Ernst Bloch, im Oktober 1955 der von ihm langersehnte Pankower Nationalpreis II.

Notizen

Liturgische Experimente eingestellt. Die seit 1948 in mehreren Pariser Pfarreien durchgeführten Experimente, mit der Ersetzung des Lateinischen durch die französische Sprache in der katholischen Liturgie die entchristlichten Massen, vor allem die Arbeiter, der Kirche Wieder zuzuführen und die Sprache der Kirche für sie verständlich zu machen, sind jetzt beendet worden.

Gesetz mit Hintertür

Daß es Krämer gibt, die mit der Rechten den Schinken für das Abendbrot über die Theke reichen und mit der Linken die „Schwarte“ für das Nachabendbrot in Gestalt eines Abenteuer- oder Kriminalromans, ist eine Tatsache, die dem seriösen Leihbuchhandel schwer zu schaffen macht und auf die DIE ZEIT auch bereits ausführlich hinwies (Nr.

Wo Waffen sprechen

Etliche Jahre haben vergehen müssen, ehe der letzte Weltkrieg literarisch überhaupt erfaßt, ehe eine Beurteilung aus der Distanz möglich werden konnte.

Eine Studie des Grauens

Zu Gerhard Reitlingers dokumentarischem Werk über die Ausrottung der Juden Europas „Die Endlösung“

Seine 99 Bräute...

Casanova hat mit den vielen Büchern, die bisher über ihn geschrieben wurden, schon ein erstaunlich langes Leben geführt; und als er in späteren Jahren herzoglich böhmischer Bibliothekar geworden war, zeichnete er aus seinem Leben und seiner Zeit auf, an was er sich erinnern wollte.

Überzogener Moral-Optimismus

Der Streit um die Vorhänge zerbricht die scheinbar ruhige und ordentliche Welt der Klinik. Der leitende Arzt fällt eine Fehlentscheidung, die ihm schließlich den Posten kostet.

Mit stumpfer Feder

Zwei Millionen Pfund haben die Helden und Heldinnen der Romane Daphne du Mauriers ihrer Autorin eingebracht. Diese erfolgreichen Herren und Damen entstammen der Welt der patriarchalischen Vergangenheit oder einem poetischen Zwischenreich alter Adelssitze, in denen Geld keine, stolze Kavalierstugenden aber eine um so größere Rolle spielen.

Der dürstende Kontinent

Australien ist für uns ein dunkler Kontinent. Aber die große Entfernung dieses Erdteils von Europa mindert für uns seine Bedeutung heute nicht mehr.

Phantasie des Intellekts

Gerade sie sind einer makabren Umwelt abgewonnen, einem Straflager der amerikanischen Armee bei Pisa, in das Pound wegen seiner während des letzten Krieges gegen Roosevelt gehaltenen römischen Radioreden geworfen wurde.

Berlin: Die Nummer 320155

Der Gedanke, Seelsorge per Telephon zu betreiben, ist sicher etwas ungewohnt, wird aber in Berlin seit einem halben Jahr mit Erfolg in die Tat umgesetzt.

Im Großraumwagen

„Der Großraum ist billiger als der Kleinraum. Menschenwürde aber ist veraltet und stammt aus jener Zeit, als die Straßenbahnen noch modern waren.

Gott auf der Reeperbahn

Posaunenklänge hört man selten auf der Reeperbahn. Junge Menschen spielten vor der Davidswache kirchliche Lieder. Ein Transparent zeigte an, daß hier „Das Gespräch des Monats“ des evangelischen Männerwerks der Landeskirche Hamburg stattfinden sollte.

Hessen: Vorsicht, Polizei!

Unter der schlichten Überschrift „Vermischte Verwaltungsausgaben“ findet der aufmerksame Leser der Landtagsdrucksache 1/700 einen Betrag von 15 400 DM, den der hessische Minister des Innern für die Bereitschaftspolizei ausgegeben hat.

Hinter den Kulissen

Die „Ausgeglichenheit“ des niedersächsischen Haushalts für 1957 steht nicht bloß auf schwachen, sondern auch auf sonderbaren Füßen.

Huckepack zur See

Die Anforderungen der Weltwirtschaft an die Schiffahrt werden von Jahr zu Jahr größer. Diese Tendenz und das Streben nach Rationalisierung haben in den letzten Jahren zu einem „New look“ im Schiffbau geführt, der bei den Tankern auf immer größere Schiffsgefäße, bei den Trampfahrern neben einem Wachsen der Laderäume auf eine Spezialisierung im Transport bestimmter Ladungen abzielt.

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