Daphne du Maurier schrieb den Lebensroman ihres Vaters

Zwei Millionen Pfund haben die Helden und Heldinnen der Romane Daphne du Mauriers ihrer Autorin eingebracht. Diese erfolgreichen Herren und Damen entstammen der Welt der patriarchalischen Vergangenheit oder einem poetischen Zwischenreich alter Adelssitze, in denen Geld keine, stolze Kavalierstugenden aber eine um so größere Rolle spielen. In dieses gleiche Zwischenreich stellt Daphne du Maurier ihre Ahnen und rückt sie damit aus der individuellen und rein persönlichen Ebene auf die kultivierte Traumebene ihrer Romanfiguren.

Daphne du Maurier: „Gerald, der Lebensroman meines Vaters.“ Rainer Wunderlich Verlag, Hermann Leins, Tübingen; 332 S., 13,80 DM.

Das Leben dieses Mannes, bedeutender Londoner Schauspieler und Regisseur, verläuft zwar im Spannungsbereich zwischen der „guten alten Zeit“.und der Unruhe unserer Gegenwart, doch zeigt es sich, daß die Erfolgsschriftstellerin ihrer Feder nicht mehr gebieten kann. Die Tragik eines sensiblen und leidensfähigen Mannes zwischen zwei Epochen bleibt eine liebe Familiengeschichte, die Verzweiflung wird von Mutterhänden fortgestreichelt. Daphne du Mauriers Vokabular und ihre Fähigkeit, die Differenziertheiten der seelischen Situation eines Menschen zu formulieren, sind zu beschränkt, um am Beispiel eines Mannes den Bruch zwischen Viktorianismus und der Welt nach 1918 zu gestalten. Ihr Vater wird nicht zum Repräsentanten seiner Zeit. schö