Die Frankfurter Bank legt für das Geschäftsjähr 1956 eine Bilanz vor, die sich wiederum um etwa 30 v. H. ausgeweitet hat. Die bisher recht steil – und zwar über den Durchschnitt aller Kreditbanken hinaus – nach oben gerichtete Entwicklungskurve hat sich ungeschwächt fortgesetzt. Dabei hat sich an der Finanzstruktur des Unternehmens seit 1950 kaum etwas geändert. Es sind keineswegs einseitige Expansionstendenzen zu erkennen; der Ausbau des Geschäftes ist vielmehr gleichmäßig erfolgt. Dabei hat die Bank auch gut verdient; sie vermochte trotz eines erhöhten Eigenkapitals nach Verstärkung ihrer Rücklagen eine Dividende von 12 v. H. zu erwirtschaften.

Diese geschäftlichen Erfolge finden ihren Grund nicht zuletzt darin, daß die Bank von Anfang an bestrebt war, Sich ein eigenes Bild von dem großen Geschehen, dem sie verhaftet ist, zu machen und eine eigene Geschäftspolitik zu begründen. Wie sie heute die allgemeine Entwicklung beurteilt, hat sie in ihrem Geschäftsbericht dargelegt. Sie beschreibt hier die Kreditpolitik des letzten Jahres und zeigt die Schwierigkeiten, mit denen die BdL kämpfen mußte. Vor allem sind diese darin begründet, daß die konjunkturdämpfenden restriktiven Maßnahmen den Zufluß an Liquidität von der Zahlungsbilanzseite her nicht zu hemmen vermochten, sondern ihn laufend verstärkten. Die Ursachen für diese Schwierigkeiten, die sich vor allem auf dem Kapitalmarkt auswirkten, sind im politischen Bereich zu suchen. Das Institut weist deshalb darauf hin, daß Ende des vergangenen Jahres von der BdL festgestellt wurde, daß die monetären Instrumente überfordert werden, wenn die Kreditpolitik allein die ungünstigen Folgen aller dirigistischen Eingriffe in die Spielregeln des Marktgeschehens ausgleichen soll, um dann fortzufahren: „Wenn jetzt neue kreditpolitische Wege gesucht werden – etwa über eine Erhöhung der Mindestreservepflicht oder durch neue Kreditrestriktionen –, die Kreditgewährungsfähigkeit der Banken einzuschränken, so führt das nur zu dem Ergebnis, daß die Last einer die Interessen der gesamten Öffentlichkeit angehenden wirtschaftspolitischen Maßnahme auf die Banken abgewälzt wird, die hierzu weder zuständig noch berufen sind.“ Dies ist der Kernsatz der Ausführungen der Frankfurter Bank; sie besagen nichts weniger, als daß man die Fehler der Politik nicht auf einen einzelnen Wirtschaftszweig, nämlich die Banken, abwälzen darf, weil man sonst diesen nicht nur das Leben schwer macht, sondern auf solche Weise auch den Markt verfälscht. W. R.