Das Interesse am Wertpapier ist im Wachsen, wenngleich es sich noch nicht im wünschenswerten Maße auch in einer entsprechenden Spar- und Anlagetätigkeit niederschlägt. Das liegt einmal daran, daß breite Bevölkerungskreise in ihrem privaten Bereich noch immer eine Art Nachholbedarf haben, dessen Befriedigung sie dem Sparen vorziehen; zum anderen spielt aber auch die Unkenntnis über die zahlreichen heute vorhandenen Sparformen eine geradezu verhängnisvolle Rolle. Deshalb bemüht sich die „ZEIT“ in ihrer Berichterstattung über die Lage der großen Aktiengesellschaften, über den Aktien- und Rentenmarkt, exakte Aufklärung darüber zu geben, welche Chancen sich dem Sparer bieten. Ratschläge zu geben, ist stets eine undankbare Sache, besonders auf dem Gebiet der Geld- und Kapitalanlage. Der Leser wird darum Verständnis dafür haben, daß wir sie in den „Gesprächen am Bankschalter“ mit der gebotenen Zurückhaltung erteilen. Niemand soll hier „Börsentips“ erwarten, die unfehlbar sind.

Im März haben 65 börsennotierte Aktiensellschaften neue Dividenden vorschlage, bekanntgegeben. 46 Gesellschaften erhöhten die Dividende, 17 behielten die Vorjahrsdividende bei und 2 nahmen eine Kürzung ihrer Gewinnausschüttung vor. Die durchschnittliche Dividende dieser 65 Werte stellte sich auf 10,20 v. H. Für den Kapitalanleger sagt dieser Satz – obschon er recht beachtlich ist – nicht das Entscheidende. Ihm kommt es (neben einer sicheren Anlage) auf die Rendite an, also auf den Zinssatz, den er tatsächlich für sein anzulegendes Geld erhält. Denn selbst eine Dividende von 10 v. H. kann an Reiz verlieren, wenn der Anleger das betreffende Papier zu einem Kurs von 200 v. H. erwerben muß. Dann beträgt die Rendite (Steuern unberücksichtigt gelassen) nur 5 v. H. Die Rendite lag nach einer Berechnung der Dresdner Bank-Gruppe für alle börsennotierten Aktien im März 1957 im Durchschnitt bei 4,72 v. H. Am 31. Dezember 1954 betrug sie nur 2,65 v. H. Ihre kräftige Erhöhung ist sowohl durch den Dividendenzuwachs der letzten Jahre, aber auch dadurch entstanden, daß die Aktien heruntergegangen sind.

Da sich nun (trotz des fortwährenden Geredes über den Kaufkraftschwund) das Kursniveau gegenwärtig in seinen Grundzügen nach der Höhe der Dividenden ausrichtet, also den Renditegedanken in den Vordergrund stellt, liegt es nahe, daß sich der Aktienkäufer heute Papiere aussucht, die mehr als die Durchschnittsrendite von knapp 5 v. H. bringen. (Die Rendite errechnet sich: Dividende mal 100 geteilt durch den Erwerbskurs.) Hier einige Gesellschaften, deren Aktienrenditen überdurchschnittlich sind:

Dividende) Kurs Rendite

Klöckner-Königsborn 8 % 137 5,84

Hoesch 8 % 141 5,67

Dt. Bank-Gruppe 12 % 214 5,61