Von Rudolf Hagelstange

In New York verbrachte ich knappe vierzehn Tage. Ich war in Museen, Galerien, Theatern, Konzertsälen, Universitäten, Colleges, Restaurants: ich habe die Stadt durchstreift; aber man frage mich nicht nach Namen oder wissenswerten Einzelheiten. Nicht einmal das Hotel habe ich behalten, in dem ich zuerst wohnte. Ich behalte nur Dinge, mit denen niemand, außer mir, etwas anfangen kann.

Zum Beispiel die Straßenecke, an der ich nach meinem ersten schüchternen Ausgang zwei Jungen fragte, wo mein Hotel liege. Sie sahen mich spöttisch an und winkten einer Gruppe Halbwüchsiger, die – offenbar auf dem Heimweg von der Schule begriffen – herbeikamen und mich meine Frage wiederholen ließen. Dann brachen alle in ein merkwürdiges Gelächter aus. Es waren Taubstumme, die sich ungemein erheiterten, daß ich mich gerade an sie wendete. Gewöhnlich sind Taubstumme Gegenstand menschlicher Nachsicht und Bemitleidung. Hier war der Sprachbegabte für die Taubstummen ein Anlaß zur Heiterkeit.

Ich denke an das riesige Appartment-Hotel, in dessen einem Zimmer – hoch über dem Hudson – die rothaarige Claire Goll wie ein gefangenes Vögelchen in seinem Bauer saß und sich nach Paris verzehrte. An die beiden Steaks, die sie zubereiten wollte, ohne sich darauf zu verstehen.

Ich habe noch die Stimme im Ohr, die Stimme der Chansonette, die in einer Burleske der Paris-Affäre in der Schaukel saß und sang:

It’s such a leasy afternoon...

Und dann kam der trojanische Prinz in einem Ballon – aber auf ihn kann ich mich überhaupt nicht mehr besinnen.