Die letzte Tat von Max Ophüls ist seine Hamburger Inszenierung von Beaumarchais Komödie „Ein toller Tag“ gewesen. Gustaf Gründgens, der Intendant des Hamburger Schauspielhauses, hielt am Grab die Gedenkrede für den dahingegangenen Künstler, die wir nachfolgend wiedergeben. Max Ophüls (Oppenheimer), 1902 in Saarbrücken geboren, zunächst Schauspieler und dann Regisseur, hat eine Reihe von Filmen geschaffen („Liebelei“, „Brief einer Unbekannten“, „Reigen“, „Plaisier“, „Madame de...“), die unverkennbar seinen Stempel trugen und aus der Massenproduktion als seltene Kostbarkeiten übrigbleiben werden. Selbst sein einziger und nicht ganz gelungener Farbfilm „Lola Moritez“ zeigte seine Könnerschaft und Mut zum Experiment.

In diesem Frühjahr griff der Tod mit erschreckender Häufigkeit in unsere Reihen. Während wir noch um Erich Ponto und Albert Florath trauerten, erreichte uns die Nachricht vom Hinscheiden Paul Bildts. Drei gute Freunde gingen von uns – Vorbilder der Ensemblekunst.

Nicht Zeit blieb uns, daß wir uns faßten zu dem Geschehnis, das uns hier zusammenführt. Und schon gebieten Brauch und Verpflichtung, Stellung zu nehmen zu dem, was wir noch nicht wahrhaben wollen.

In dem Augenblick, da dieser hervorragende Geist sich seiner irdischen Hülle begibt, um sich in den Mantel der Ewigkeit zu hüllen: wie fänden wir die Worte der Freundschaft, des Respektes, die ihm gebühren? Wie könnten wir würdigende Sätze bereit haben für ein Lebenswerk, das die künstlerische Welt noch lange beschäftigen wird.

Wie sollen wir unsere Gefühle exakt formulieren? Denn das wäre wohl seine heiter-unerbittliche Forderung gewesen: es nicht genug sein zu lassen an den Gefühlen, sondern sie auch zu formulieren. War es doch der erste Inhalt seines Lebens: Alles, was ihn bewegte, liebevoll in eine Form zu bringen – nicht mit der Stirn am Marmorblock, doch mit genauen, wissenden Händen.

Ganz aus der Mitte seines Wesens lebend, war in ihm dieser seltene Einklang zwischen Wollen und Vermögen – Sehen und Betrachten – Darinstehen und Darüberstehen. Die Form, in der Max Ophüls sich äußerte, war jene schwebende Leichtigkeit, zu der so schwer zu gelangen ist, jene zärtliche Beseeltheit, deren Ursprung der Schmerz ist.

Vielleicht wäre es unehrerbietig, Zufall nennen zu wollen, daß ich seine erste große Arbeit miterlebt habe und an seiner letzten Anteil hatte. Was ich den 28jährigen bei seinem ersten Film (Liebelei) intuitiv sich erobern sah, fand ich beim Manne gewußt und gelenkt vor. Er hatte von jenem Baum der Erkenntnis gegessen, der uns zwingt, gleichsam durch ein Unendliches zu gehen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen.