Richtig wird es sein, wenn wir in den kommenden Jahren das Geld für eine weitere Erhöhung der Löhne jener Bevölkerungsgruppen verausgaben, die es am dringendsten benötigen... Richtig wird es sein, dieses Geld für eine Erhöhung der Renten, Pensionen und Familienbeihilfen auszugeben. Schließlich wird es richtig sein, wenn wir mehr Geld für neue, notwendige Investitionen bereitstellen, damit den neuen Jahrgängen Arbeitsplätze verschafft werden können...

Wie sieht die wirtschaftliche Lage aus? Erlaubt sie, daß in die Milliarden gehende Zahlungen zur Begleichung der Ansprüche geleistet werden? ... Eine weitere Erhöhung des Lohnfonds ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht möglich. Würde man den Lohnfonds weiter erhöhen, würde man die Finanzdisziplin verletzen, würden wir der Verletzung der Finanzdisziplin keinen Riegel vorschieben, dann gingen wir einem Ruin der Wirtschaft entgegen.

Wer wird dann die Verantwortung dafür tragen? Wir alle! Auch auf euch ruht die Verantwortung für unsere Wirtschaft, für die Auswirkungen der beschlossenen Gesetze.

Wenn die Frage gestellt wird, was wir in dieser Situation zu tun haben, würde ich darauf antworten, daß wir zur Arbeiterklasse gehen und ihnen die ganze Wahrheit darlegen sollten. Damit erringt man sich das Vertrauen der Arbeiterklasse.

Die Rechnung ist einfach: Es gibt eine bestimmte Warenmasse, es gibt eine bestimmte Menge an Geldmitteln, die man ohne Schaden für die Volkswirtschaft verausgaben kann, also ohne Schaden für die Arbeiterklasse, für alle schaffenden Menschen. Wir können weder bei euch noch bei der Bevölkerung die Illusion erwecken, daß wir imstande seien, schon heute einen Plan für Lohnerhöhungen auszuarbeiten und zu sagen, dies und jenes machen wir in dieser und jener Zeit und das andere zu diesem oder jenem Zeitpunkt. Die Situation ist so, daß man dies heute nicht genau in Zahlen kleiden kann. Man kann nur in großen Zügen planen: Wenn die Produktion höher sein wird, wenn es eine größere Warenmasse geben wird, dann werden auch Möglichkeiten gegeben sein, die Arbeiterlöhne weiter zu erhöhen, die Daseinsbedingungen dauerhaft zu verbessern. Diese einfache Rechnung ist jedem Arbeiter verständlich. Man muß sie ihm nur darlegen!

Nun, wer hat’s gesagt und vor welchem Forum? –

Die so angesprochenen und an die Grundgesetze der Volkswirtschaft erinnerten Arbeiter leben nicht in einem Lande der freien Wirtschaft, sondern – in Polen. Und der diese Worte sprach, war Wladislaw Gomulka.