Aus den jüngsten Berichten der beiden großen Edelstahlproduzenten DEW-Krefeld und Südwestfalen-Geisweid lachte eitel Sonnenschein. Jetzt ist als dritter der großen Edelstahlerzeuger die Gußstahlwerk Witten AG, Witten/Ruhr, mit ihrem Jahresabschluß per 30. 9. 1956 auf den Plan getreten. Dabei entwickelte sich während der Bilanzbesprechung mit der Wirtschaftspresse ein bemerkenswerter neuer Einblick in die Gegenwartssituation von Edelstahl, wie er in der gleichen Offenheit und Marktbeurteilung bisher nicht zu hören war. Zwar hat die Gesellschaft neue Höchstergebnisse in Produktion und Umsatz erreicht; sie schlägt ihrer oHV am 25. April auch eine Erhöhung der Dividende von 6 auf 8 v. H. vor, aber Hand in Hand mit einer, wie die Verwaltung beteuerte, rückläufigen Ertragsentwicklung seien zur Zeit die Auftragseingänge so zusammengeschrumpft, daß eine gewisse Drosselung der Rohstahlproduktion aus kaufmännischer Vorsicht vorgenommen werden mußte.

Rückgang der Auftragseingänge und Erhöhung von Produktion und Verkaufsleistung haben die Liefertermine bei Gußstahl Witten von bisher fünf bis sechs Monaten auf unter den dreimonatigen Normalstand, nämlich auf zwei bis zweieinhalb Monate, herabgedrückt. Das bedeutet praktisch etwa eine Halbierung der Auftragsbestände, wobei der Auslandsanteil absolut erheblich, und zwar um über 50 bis 70 v. H. gestiegen ist und zur Zeit gegen 17 v. H. im Berichtsjahr etwa 30 v. H. ausmacht. Angesichts dieser Situation hat die Werkleitung ferner beschlossen, die Investitionen ebenfalls zu drosseln. Hierbei spricht auch der Rückgang der Liquidität und der Mangel an ausreichenden Finanzmitteln mit. Dennoch würden die Dividendenchancen für das laufende Jahr durchaus günstig sein, fügte die Verwaltung hinzu, und zwar wesentlich deshalb, weil die Absorbierung der Erträge durch Ausnutzung des Sonderabschreibungsparagraphen 36 weggefallen wäre.

Das AK von 20,7 Mill. DM liegt mit je 30 v. H. bei der Rheinstahl- Gruppe und dem Münchner Privatbankhaus Merck, Finck & Co. und mit etwa 20 bis 25 v. H. bei Hermann D. Krages. Die Zahl der übrigen Aktionäre liegt um 2000 gegen 23 000 vor einigen Jahren.