Der Berliner SPD-Abgeordneten Frau Louise Schröder, die in der Zeit von Blockade und Luftbrücke als Oberbürgermeisterin der Reichshauptstadt amtierte, wurden zu ihrem 70. Geburtstag die Rechte einer Ehrenbürgerin von Berlin verliehen. Die CDU, so hört man, wollte die Ehrung von einer SPD-Garantie abhängig machen, daß auch die früheren Bürgermeister Schreiber, und Friedensburg in nächster Zeit den Ehrenbürgerbrief erhielten – eine Forderung, der sich die SPD im Falle Schreiber widersetzte.

Nun sollen die Verdienste der Herren Schreiber und Friederisburg nicht geschmälert werden. Was aber haben sie mit Louise Schröder zu tun? Ihre Verdienste können nicht dadurch größer oder kleiner werden, daß andere Politiker auch ihre Meriten haben. Das Denken in den Kategorien parteipolitischer Parität beginnt allmählich lächerlich zu werden. Nun ist das Prinzip der Parität in einem demokratischen Staatswesen gewiß recht nützlich, wenn es sich zum Beispiel um die Besetzung der Bundestagsausschüsse oder anderer politischer Gremien handelt. Bei’der Würdigung persönlicher Verdienste jedoch ist die Forderung „Auge um Auge, Ehrenbürger um Ehrenbürger“, gelinde gesagt, schmerzlich und taktlos. P