HvH, München

Kommt man jetzt auf der Durchreise nach München, so gerät man ohne Gnade in die Starkbier-Saison hinein, den lautersten Ausdruck der bayerischen Seele. Die schlichten Biere sind in den Hintergrund gedrängt, „-ator“ beherrscht die Szene. Wirklich mannhafte, „g’standne“ Biere! Eins davon hat 18 Prozent Alkohol, nur starke Männer trinken die sonst üblichen drei Maß.

Und kuriose Namen haben sie! Eins heißt „Animator“ (obwohl es gar nicht animiert, sondern schläferig macht), ein anderes „Triumphator“, das mit den 18 Prozent „Delicator“. (Das alles geht auf den altehrwürdigen „Salvator“ zurück, dessen Anstich auf dem Nockherberg Generation nen von Dichtern besungen haben.)

Hat man ein Maß „Delicator“ getrunken, gerät man ganz von selbst ins Träumen. Man träumt von künftigen „-ator“-Bieren; denn jedes Jahr muß ja einen neuen Namen gebären. Ungeahnte Möglichkeiten!

Wie wäre es mit „Imperator“? (Ave senex Imperator... jedes Alt-Burschenherz schlägt höher!) Man könnte auch „Spectator“ empfehlen oder „Observator“, „Totalisator“, „Konservator“, „Usurpator“, „Auktionator“, „Äquator“. Oder – aber das hat kaum Chancen – „Irigator“ und „Alligator“; schließlich mit Rücksicht auf die draußen wartenden Wagen, „Autokrator“ ...

Aber den einzig richtigen und zugkräftigen Namen hat die ausschweifende Phantasie der beflissenen Bräu-Reklamechefs noch nicht erfunden. Er lautet (patentamtlich geschützt) „Potator“, der Zecher. Nichts kann doch näher liegen! Möge er uns in der nächsten Starkbier-Saison erfreuen ... Ober, ein Potator!