Hummel-Hummel“ hallte es zur Begrüßung seltsam ungewohnt über den Platz vor dem Schöneberger Rathaus. 287 Hamburger Jungen und Mädchen, zwischen 9 und 14 Jahren alt, kletterten aus den Omnibussen. Freundlich nahmen sie die Begrüßung entgegen, doch ohne Zeichen großer Erschütterung. Und das kennzeichnete den ganzen Besuch: Man konnte sie nicht erschüttern!

Erstens kannten sie Berlin schon vorher erstaunlich gut. Und zweitens waren sie selber Großstädter und machten sozusagen ranggleich und ebenbürtig einen Höflichkeitsbesuch. Sie waren interessiert, aber nicht verblüfft oder bis zur Sprachlosigkeit beeindruckt. Herablassend korrigierten sie die Ansicht ihres jugendamtlichen Betreuers über die Einwohnerzahlen von Hamburg, und mit hanseatisch-stolzer Zurückhaltung hörten sie sich auf der Stadtrundfahrt dessen lokalpatriotische Superlative an: die älteste U-Bahnstrecke, das modernste Gebäude, der (fast) höchste Turm, die breiteste Straße, der größte Platz...

„Waschechte Berliner Großschnauze!“ kommentierte mein Busnachbar freimütig und mehr aus Freude an einem frischgelernten Wort.

Sonst waren die jungen Damen und Herren eher schweigsam als vorlaut. Bezirksbürgermeister Kreßmann, der die Kreuzberger Gäste mit Kakao empfing, fragte erstaunt: „Nanu, ihr seid ja so schüchtern? Ihr redet ja gar nichts?“ Nach einer langen Pause antwortete langgezogen ein Langaufgeschossener: „Na, was sollen wir denn auch groß reden?“

Offenbar hatten die Eltern ihre Kinder nicht unvorbereitet in die ehemalige Reichshauptstadt geschickt. Einer der vielen Peters, der frühestens 1946 geboren sein konnte, erkundigte sich im Olympiastadion genau, wo denn „der Führer“ immer gesessen habe, und ein weiterer Peter zeigte lebhaftes Interesse für die Berliner Kommunalpolitik: er sei dafür, daß man den Tiergarten „stilgerecht“ wieder aufbaue, und die Gedächtniskirche sei eigentlich ein Verkehrshindernis.

Zusammenfassend zeichneten sich folgende Ansichten über die Gaststadt ab: die U-Bahn ist schöner, der Zoo nichts im Vergleich mit Hagenbeck; das Olympiastadion imponierte; der Flugplatz war enttäuschend klein („man bloß lauter Zweimotorige!“); die Bockwürste schmecken gut. Die westöstliche Problematik wurde in der Erkenntnis zusammengefaßt, daß „dort“ eine Brause zwar nur (umgerechnet) fünf Pfennige koste, aber nach Bier, Hustensaft und Süßstoff schmecke. Das Wort duffte gehörte zum beliebtesten Exportartikel.