W. D., Arnsberg

Zu den dreißig deutschen Übertragungen von Dantes „Göttlicher Komödie“ ist ein Werk gekommen, das eine besondere Stellung im Kreise der bisherigen Nachdichtungen einnehmen dürfte. In einer Lebensarbeit hat der kurz darauf im Alter von 81 Jahren gestorbene Schulrektor Karl Willeke die „Divina Comedia“ aus dem Italienischen ins Sauerländer Platt übertragen.

Professor Dr. Rheinfelder, der Vorsitzer der Deutschen Dante-Gesellschaft, hat das literarische Wagnis Willekes mit folgenden Worten begrüßt: „Es ist besonders reizvoll zu sehen, wie sich das Plattdeutsche oft viel mehr als das heutige Hochdeutsch dem sprachlichen Charakter der alten florentinischen Volkssprache anzuschmiegen vermag. Aller Ernst bleibt gewahrt, und alle Volkstümlichkeit wird erreicht.“

Seit der Verbreitung des Buchdrucks fanden Auseinandersetzungen im religiösen und weltanschaulichen Raum mehr und mehr in der hochdeutschen Einheitssprache statt. Willekes Verdienst ist es nach Ansicht der niederdeutschen Sprachpfleger, den gesamten Sprachschatz des Plattdeutschen besser als in einem Wörterbuch aufbewahrt zu haben.

Willeke brauchte nicht zu hochdeutschen Wörtern oder zu Fremdwörtern zu greifen. Er hat allerdings oft plattdeutsche Wörter verwendet, die selbst den plattdeutsch sprechenden Bauern seiner Heimat nicht mehr geläufig sind. Für einige dieser Ausdrücke hat er ein Verzeichnis mit Erklärungen beigefügt: die Übersetzung der Übersetzung.

Und hier zur Probe eine Strophe, der Anfang des „Inferno“, zunächst im italienischen Original, dann in einer möglichst wortgetreuen hochdeutschen Übertragung, und schließlich in der niederdeutschen Nachdichtung von Karl Willeke:

Nel mezzo del cammin di nostra vita