Der Bürger sieht mit Staunen und nicht ohne innere Erregung, wie sich auf den Brüsten verdienter Männer die Ordenssterne, Bänder und Kreuze häufen. Mit Bitternis ist der erfüllt, der „diesmal“ wieder leer auszugehen droht und auch der, dem das Privileg, seine Gunst in blanke Münzen umzusetzen, bisher vorenthalten blieb.

Auf seinem zielbewußten Wege zur uneingeschränkten Souveränität hat der Verfassungsausschuß des Freistaates Bayern deshalb beschlossen, einen Bayrischen Verdienstorden zu stiften, „für hervorragende Dienste um den Freistaat Bayern und sein Bayrisches Volk“. Dieser soll in der Form eines Malteserkreuzes vom Ministerpräsidenten des Landes „verteilt“ werden.

Die Form dieses achteckigen Kreuzes in weißer Emaille war nicht nur für den begehrtesten aller preußisch-deutschen Orden, für den Pour le Merite, das Vorbild, sondern auch für Adolf Hitlers „Deutschen Adlerorden“ – ungeachtet der beelzebübischen Aversion seines Stifters gegen christliche Kreuze aller Art.

Der „Deutsche Adlerorden“ wurde in verschiedenen Klassen nur an Ausländer verliehen. Als besonderes Kuriosum sei hier vermerkt, daß auf dem Ordenskissen des Botschafters der Französischen Republik, François-Poncet‚ neben dem „Großkreuz des Deutschen Adlerordens“ von Hitlers Gnaden auch das „Großkreuz des Verdienstordens“ der Bundesrepublik friedlich Seite an Seite ruhen. Ein Beweis entweder für die Liebe und Anhänglichkeit des Botschaften an Deutschland, oder für seine Ähnlichkeit mit dem großen Vorbild Talleyrand, der auch mit Grazie über den verschiedenen Systemen stand.

Die Geschichte des Ordens

Um das Jahr 1100 gründeten in Jerusalem fromme Männer der Bruderschaft des St. Johannes-Hospitals den Ritterorden des Hl. Johannes von Jerusalem. Sein Zweck war der Kampf gegen die Ungläubigen, die Pflege der Kranken und Bedürftigen, die Unterstützung der Armen. Seine Pflicht: Die Einhaltung der Ordensregeln und der üblichen Gelübde, Armut, Keuschheit und Gehorsam. Über ihrer Rüstung trugen die Ritter einen schwarzen Mantel mit achteckigem weißen Kreuz auf der linken Schulter, das sich auch auf dem Brustharnisch der Rüstung wiederfand: Das heutige Malteserkreuz.

Der Orden des Hl. Johannes verlor 1291 mit Akkon die letzten Besitzungen im Heiligen Lande und hatte von 1309 bis 1523 seinen Sitz auf Rhodos (Schillers „Kampf mit dem Drachen“). Nachdem Rhodos im Kampf gegen die Türken verlorengegangen war, wurde dem Orden von Kaiser Karl V. die Insel Malta als Lehen zugewiesen. Von da an nannten sich die Ritter des Ordens „Malteser Ritter“.