Eine Gesundung des Kapitalmarktes ist nur möglich, wenn er von allen – noch so gutgemeinten – Eingriffen befreit wird. Dies stellt die Westdeutsche Bodenkreditanstalt in Köln (Westboden) in ihrem Geschäftsbericht für 1956 fest. Das Ziel aller kapitalmarktpolitischen Maßnahmen müsse die freie Zinsgestaltung sein, wobei es der Entwicklung des Marktes überlassen bleiben mag, ob das klassische Zinsgefälle zwischen den verschiedenen Rentenwerten, die an den Markt drängen, beibehalten werden kann. Der Geschäftsbericht von Westboden weist darauf hin, daß der Realkredit auch in Zukunft immer auf das Aktivgeschäft Rücksicht nehmen müsse.

Man müsse sich jedoch darüber im klaren sein, daß eine wirkliche Wiederherstellung eines freien Kapitalmarktes nicht von heute auf morgen möglich sei. Westboden rechnet damit, daß die Emissionstätigkeit für eine gewisse Zeit infolge der Verhältnisse am Kapitalmarkt beschränkt bleiben wird. Eine nachhaltige Gesundung könne erst eintreten, wenn sich die öffentliche Hand aus der Kapitalbildung über die Steuer zurückziehe, und der private Kapitalmarkt wieder anlagebereite Geldgeber vorfindet.

Den Steuervergünstigungen zur Förderung des sozialen Wohnungsbaues steht auch Westboden skeptisch gegenüber. Das finanzielle Ergebnis der Vergünstigungsgesetze möge zwar für den Wohnungsbau befriedigend gewesen sein, für die Realkreditinstitute habe es sich aber im höchsten Maße nachteilig ausgewirkt, da diese in Höhe von 90 bzw. 70 v. H. der zum größten Teil durch Untausch bzw. Umbuchung finanzierten Sparbeträge neue Ausleihungen hätten vornehmen müssen. Die Abwicklung gehe also zu Lasten der Realkreditinstitute, wobei sich das endgültige Ergebnis erst nach drei Jahren übersehen lassen werde, wenn die Sperren abgelaufen und die Pfandbriefe und Sparguthaben frei verfügbar seien.

Im Berichtsjahr wurden von der Bank Hypotheken und Kommunaldarlehen in Höhe von 26,7 Mill. DM ausgezahlt In das neue Geschäftsjahr wurden Zusagen an Hypotheken und Kommunaldarlehen in Höbe von rund 25 Mill. DM übernommen. Die im Berichtsjahr aufgenommenen Rücklaufstücke eigener Schuldverschreibungen sind in der Zwischenzeit größtenteils wieder verkauft worden. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt auch 1956 wieder ein günstiges Bild, das neben weiteren Abschreibungen eine Erhöhung der gesetzliche Rücklage von 1,5 auf 5,5 Millionen DM ermöglichte. Die Verwaltung schlägt der zum 10. Mai nach Köln einberufenen HV eine Dividende von wiederum 8 v. H. vor. D.