Als „internationales Bauwerk“ lief in der vergangenen Woche in Schacht-Audorf bei Rendsburg die schwimmende Erdölbohrinsel „Adma Enterprise“ vom Stapel. Das erste dieser Art in Kontinentaleuropa gebaute „Fahrzeug“ wurde für die englisch-französische Firma „Abu Dhabi Marine Areas Ltd.“ nach Plänen der De Long Corporation (USA) von der deutschen Gutehoffnungshütte Sterkrade AG gebaut. Es soll für Überwasser-Erdölbohrungen im Persischen Golf eingesetzt werden. Baupreis: etwa 8 Mill. DM. Die 4800 t schwere Insel wird im Persischen Golf von Bohrplatz zu Bohrplatz geschleppt werden, sich dort auf vier ausziehbare Säulenstützen aus fast vier cm starkem Stahl auf dem Meeresgrund postieren und mit einem Rotary-Gerät die Deformationen unter dem berühmtesten Perlmuschelmeer der Welt anzapfen. Am 1. November wird die erste Bohrung beginnen.

Dieser ungewöhnliche Stapellauf ist in mehrfacher Hinsicht ein Markstein: Für die deutsche Stahlbauindustrie bedeutet er das Anlaufen von Aufträgen bisher unbekannter Art. Schon ist eine zweite schwimmende Bohrinsel bei der GHH durch die De Long-Corp. kontrahiert, die nach Trinidad geschleppt werden soll. Über weitere Bauten von derartigen Bohrinseln wird bereits verhandelt. Daß die amerikanische Firma derartige Aufträge in Deutschland placiert, läßt erwarten, daß die für Trinidad bestimmte Bohrinsel nicht die letzte von den USA in Deutschland bestellte Offshore-Bohreinheit sein wird, um so mehr, als heute schon die sonst chronisch unterbelegten Werften der USA – soweit sie an der Pazifikküste liegen – einen Auftragsboom in Ölbohrinseln erleben.

Für die Erdölsuche in dem ausschlaggebenden ölliefergebiet Europas im Mittleren Osten eröffnet das großzügig vorangetriebene Explorationsvorhaben im Persischen Golf Chancen auf nennenswerte Vergrößerung der ohnehin umfangreichen Förderung und Reserven. Das Bohrvorhaben der „Adma Enterprise“ wurde in einjähriger Arbeit durch geophysikalische Arbeiten auf See mit dem gecharterten französischen Forschungsschiff „Calypso“ vorbereitet. Für die deutsche Erdölwirtschaft schließlich rückt mit dem Bau der ersten hier konstruierten Bohrinsel der Erdölaufschluß auf See ebenfalls in die Sphäre höheren Interesses, um so mehr, als bereits ein erstes in die Ostsee hineinreichendes Ölfeld „Kiel“ bekannt ist, und eine Ausdehnung des Ölfeldes „Schwedeneck“ unter den Ostseespiegel im Bereich des Möglichen liegen dürfte. St.