/ Eine österliche Szene von Ernest Hemingway

„Heute ist Freitag“ ist eine der wenig bekannten Kurzgeschichten des großen amerikanischen Nobelpreisträgers. Es ist eine Ostergeschichte – freilich eine Ostergeschichte ganz eigener Art, von der wir uns vorstellen könnten, daß sie manchen religiösen Menschen nach der ersten Lektüre entsetzt. Aber ist diese Geschichte wirklich eine Blasphemie? Wir haben einen protestantischen und einen katholischen Geistlichen, Professor Dr. Helmut Thielicke und Pater Dr. Hans Wulf – zwei Geistliche also, die unseren Lesern als Autoren nicht mehr unbekannt sind – gebeten, für uns diese Geschichte zu lesen und uns als Priester zu sagen, was sie bei der Lektüre dachten und empfanden. Diese ihre beiden Stellungnahmen finden unsere Leser anschließend an die Erzählung.

Drei römische Soldaten sind um elf Uhr nachts in einer Kneipe. Rings an den Wänden sind Fässer. Hinter dem hölzernen Schanktisch ist ein hebräischer Weinverkäufer. Die drei römischen Soldaten sind ein bißchen blau.

Erster Soldat: „Hast du den Roten probiert?“

Zweiter Soldat: „Nein, ich hab’n nicht probiert.“

Erster Soldat: „Du solltest’n probieren.“

Zweiter Soldat: „Also gut, George, schmeißen wir ’ne Runde vom Roten.“