BP, Stockholm, im April

Verglichen mit den Milliarden der deutschenAusfuhr spielt die Filmausfuhr von 15 bis 17 Mill. DM im Jahre 1956 keine große Rolle. Für die Filmindustrie selbst aber ist es sehr wesentlich, ob 15 oder 30 v. H. oder vielleicht die ganzen Herstellungskosten eines Films durch den Export wieder hereinkommen. Zwar spielen die deutschen Lichtspieltheater jährlich etwa 800 Millionen DM herein, und daran sind, wie Dr. Schwarz von der Export-Union der Deutschen Filmindustrie in Stockholm sagte, die deutschen Filme zu etwa 50 v. H., die amerikanischen zu 30 v. H. und die übrigen Länder zu etwa 20 v. H. beteiligt. Von diesen 800 Mill. DM aber gehen 150 für die Lustbarkeitssteuer herunter, ferner 300 für die Filmtheater, dann bekommt das Ausland seinen Teil, und schließlich bleiben für die deutschen Produzenten nur etwa 120 Mill. DM, von denen auch wieder Steuern, abzuführen sind.

Was die Ausfuhr angeht, ist das Bild etwa so, daß Österreich etwa 100 deutsche Filme abnimmt, Holland etwa 80, Benelux überhaupt ein guter Markt ist, mit Frankreich und Italien bestehen bilaterale Abkommen mit je etwa 15 Filmen im Jahr, mit Spanien hat man ein Kontingent von 15 Filmen, mit England hat man ein Kontingent von 30 Filmen, nur hindert der Unterschied der Mentalität, es auszunützen. Nach den USA gehen etwa 90 Filme, laufen aber nur in etwa 15 Theatern vor deutschem Publikum und bringen knapp 1 Mill. DM. Was Skandinavien angeht, so nimmt Finnland 20 bis 30 deutsche Filme, mit Norwegen und Dänemark ist man zufrieden, vor allem ist der dänische Markt leicht, da man in Dänemark mit der amerikanischen Filmindustrie Krieg führt.

Das statistische Bild der schwedischen Filmeinfuhr zeigt vielleicht nicht die „inneren Werte“. Im Jahre 1938 bezog man aus Deutschland 3 t für 0,2 Mill. Kr. und 1954 erst 2 t für 0,25 Millionen Kr. Die Vergleichszahlen für die USA zeigen einen Rückgang von 13 auf 10 t und für England einen großen Anstieg von nur 2 auf 12 t. Von den Angelsachsen bezog Schweden also das elffache Gewicht an Filmen.

Es ist verständlich, daß man sich bemüht, auch im Filmexport in Schweden wieder auf den alten Stand zu kommen, was ja auf fast allen anderen Gebieten so ausgezeichnet geglückt ist. Die Export-Union der Deutschen Filmindustrie hat deshalb Anfang April in Stockholm eine Deutsche Filmwoche veranstaltet. Man führte acht Spielfilme vor, von der „Königin Luise“ bis zum „Herrscher ohne Krone“, und vier Filmstars waren persönlich anwesend. Die Absicht, deutsche Filmnamen hier bekanntzumachen, ist gut. Aber was hilft es, wenn Karin in Stockholm oder Gunvor in Göteborg vor einem Film gänzlich kühl bleiben, der Grete in Hamburg oder Lieschen in Frankfurt zu Tränen rührte? Hat sich die Mentalität seit 1938 verschieden entwickelt? Oder fehlt dem deutschen Film von heute etwas, was er vor 20 Jahren hatte? Eine kluge Frau sagte – ja, ihm fehlt Berlin.