gg., Hamburg

Ein großes Hamburger Kaufhaus hat seit einigen Tagen seine technische Sensation. Vor einem Automaten drängen sich die Menschen. Er sieht aus wie eine Telephonzelle und hat eine schalldichte Glastür.

Es ist das „Schallplattenstudio des kleinen Mannes“. Steckt man eine D-Mark in den Schlitz, so leuchtet ein Lämpchen auf, und dann hat man 60 Sekunden Zeit, um eine kleine Schallplatte zu besprechen oder zu besingen.

Eine junge Dame produziert sich anscheinend gerade als Schlagersängerin. Zwar ist nichts zu hören, aber die Glastür gestattet einen Blick auf die im Rhythmus sich wiegende Rückseite. Als nächste Anwärter zur Schallplattenaufnahme bereiten sich eine Frau und ein kleines Mädchen vor. Schnell noch einmal muß das Töchterchen von einem Zettelchen ihr Sprüchlein herunterrasseln. „Damit es nachher auch klappt“, erklärt die Frau. „Lieber Vati, zu deinem Geburtstag alles Gute....“ quietscht die Kleine aufgeregt. Na, wenn das man gut geht! Doch stolz verließ auch klein Erna mit ihrer Mutti die Kabine, im Arm ihre Schallplatte.

Ein junger Mann hatte den Automaten betreten. Das Lämpchen leuchtete auf: „Aufnahme“. Leise war die Tür aufgegangen, und die vielen Zuschauer hörten ganz ungewollt die Männerstimme zärtlich hauchen: „Liebling...“ – Da drückte eine alte Frau sanft die Tür zu und sagte zu den Umstehenden: „Hier wollen wir man lieber nicht stören!“