„Wir haben Bundesverteidigungsminister Franz JosefStrauß gebeten, zu der Göttinger Erklärung der Atomwissenschaftler Stellung zu nehmen. Er erklärte, die Professoren wendeten sich gegen Absichten, die die Bundesregierung gar nicht habe. Strauß faßte seine Erklärung in sechs Punkte zusammen, die wir hier abdrucken.

1. Der Verzicht der Bundesregierung auf die Herstellung von Atomwaffen im Gebiet der Bundesrepublik gilt nach wie vor.

2. Die Bundesregierung ist an niemanden, weder offiziell noch inoffiziell, weder direkt noch indirekt mit der Aufforderung herangetreten, Forschungsaufträge atomarer Art auf militärischem Gebiet zu übernehmen.

3. Das Problem, ob Euratom Atomwaffen herstellen solle, stellt sich zur Zeit überhaupt nicht.

4. Die Belieferung der Bundeswehr mit strategischen Atomwaffen, welcher Art auch immer, steht nicht zur Debatte, und zwar weder jetzt noch in Zukunft.

5. Zur Debatte steht lediglich, ob taktische Atomwaffen amerikanischer Produktion – und dies nicht vor 1959 – im Rahmen einer allgemeinen Ausstattung der europäischen NATO-Streitkräfte mit diesen Waffen auch an die Bundeswehr geliefert werden sollen. Wenn dies geschähe, dann nur unter dem Vorbehalt, daß diese Waffen nicht Eigentum der Bundeswehr sein würden, und daß ihre Verwendung nur mit amerikanischer Genehmigung erfolgen könnte.

6. Die Amerikaner werden sich gegenüber allen NATO-Partnern, die sie mit Atomwaffen ausrüsten, das „Verschlußrecht“ sichern, das heißt, sie werden die Waffen so präparieren, daß niemand in der Lage ist, sie ohne amerikanische Genehmigung in Gebrauch zu nehmen – gleichgültig, ob nun zwei oder fünfzehn Länder mit ihnen ausgestattet sind.

Als frei erfunden bezeichnete der Bundesverteidigungsminister Meldungen, daß er den Verteidigungsplan geändert hätte. Der Verteidigungsplan für das Heer stehe bis zum 1. April 1958 und auch für die nächsten sechs Monate darüber hinaus fest. Hinsichtlich der Stärke, der Gliederung und der Ausrüstung des Heeres nach dem 1. Oktober 1958 seien allerdings noch nicht endgültige Entscheidungen getroffen.