Bei der Zentralkasse nordwestdeutscher Volksbanken eGmbH, Hannover/Hamburg, fällt das ungewöhnlich starke Anwachsen der langfristigen Ausleihungen in den letzten Jahren auf, die das Bilanzbild entscheidend verändert haben. In der Bilanz per 31. 12. 1956 werden sie mit 54,5 Mill. DM ausgewiesen. Sie finden ihren Gegenposten in den aufgenommenen langfristigen Darlehen von 53,4 Mill. DM, das sind Mittel, die aus den zahlreichen öffentlichen Kreditaktionen stammen, die für die Finanzierung des Mittelstandes ins Leben gerufen worden sind. Der Mittelstand krankt noch immer an einer ungenügenden Eigenkapitalbildung. Nach Auffassung der Zentralkasse ist sie in den vergangenen Jahren sogar noch rückläufig gewesen. Um die Folgen der rigorosen Steuerpolitik auszugleichen, wurden zwar Kreditgarantiegemeinschaften für Handwerk und Handel geschaffen, denen der Staat Bürgschaften gewährte, und an denen sich die Banken mit hauptsächlich mittelständischer Kundschaft beteiligten, aber das ist keine Dauerlösung. Es kommt vielmehr darauf an, den mittelständischen Betrieben eine ausreichende Eigenkapitalbildung zu ermöglichen, damit sie nicht auf die – im Augenblick sicherlich unentbehrlichen – Garantiekrücken angewiesen sind. Auch für die Banken ist es heute keineswegs angenehm, wenn sie erst aus dem umfangreichen Katalog öffentlicher Förderungsmaßnahmen einen Weg auskundschaften müssen, um einen Kunden, der nicht über die üblichen Banksicherheiten verfügt, mit mittel- und langfristigen Mitteln zu versorgen.

Die Lage der Mittelstandsbetriebe hat die Zentralkasse genötigt, die Beschaffung langfristiger Kredite für die angeschlossenen Volksbanken und deren mittelständische Kundschaft immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen, während früher die Hauptaufgabe in der Deckung und Durchführung des Liquiditätsausgleichs der Volksbanken bestand und allenfalls noch kurzfristige Betriebsmittelkredite für sonstige genossenschaftliche Einrichtungen bereitgestellt wurden. Trotz der Aktivität im langfristigen Geschäft sind noch erhebliche Kundenwünsche offen geblieben. Der Betriebsmittel-Kreditbedarf konnte dagegen in vollem Umfang befriedigt werden.

Die Zentralkasse hat ihren Gewinn für 1956 aus genossenschaftspolitischen Erwägungen auf eine Dividende von 4 v. H. abgestellt. Das Eigenkapital betrug am 31. Dezember 1956 genau 12 Mill. DM (davon 7 Mill. Geschäftsguthaben der Mitglieder und 5 Mill. offene Rücklagen). Der Umsatz belief sich im Berichtsjahr auf rund 18,8 Mill. und liegt damit etwa 17,5 v. H. höher als im Vorjahr. –dt.