Die Erinnerung daran, daß die Mark innerhalb von 25 Jahren zweimal entwertet worden ist, und die immer mehr hervortretenden Tendenzen zum „Rentenstaat“ haben dazu beigetragen, daß das Sparen auf lange Sicht fast völlig durch das kurzfristige Zwecksparen verdrängt wurde. Diesem Wandel des Spargedankens hat nun die Württembergische Hypothekenbank, Stuttgart, soweit wie möglich Rechnung getragen, indem sie die Laufzeiten ihrer neuen 7 1/2prozentigen Emissionen, die zu 96 v.H. ausgegeben werden, bei Pfandbriefen auf 15 Jahre und bei Kommunalobligationen auf 20 Jahre herabgesetzt hat. Um aber gleichzeitig auch den Wunsch der Lebensversicherungen nach einer möglichst langfristigen Kapitalanlage Rechnung zu tragen, schließt die Bank bei diesen Emissionen ihr Kündigungsrecht auf 10 Jahre aus. Sie hat mit diesem neuen Modus auch bereits beachtliche Erfolge erzielt und seit dem 1. April 1957 schon über 40 v.H. einer ersten Emission dieses Typs von 10 Mill. DM verkauft. Im 1. Quartal d. J. hat die Bank darüber hinaus annähernd soviel Pfandbriefe abgesetzt wie im ganzen Jahr 1956, in dem sich das Institut zurückgehalten und nur rund 22 Mill. DM festverzinsliche Papiere verkauft hat, bei Auszahlungen an Hypotheken und Kommunaldarlehen von 46,70 Mill. DM.

Wenn damit auch gegenüber dem nicht unbedingt vergleichbaren Rekordjahr 1955 mit 117 Mill. DM Wertpapierabsatz und 137 Mill. DM Auszahlungen ein erheblicher Rückgang eintrat, so hielt sich die Geschäftsausweitung im Vergleich zur Vorkriegszeit und den Jahren 1950 bis 1952 doch noch im Rahmen. Andererseits hat der Geschäftsverlauf 1956 der Bank die beachtenswerte Erfahrung gebracht, daß sie nunmehr über einen Bestand an Hypotheken und Kommunaldarlehen (407 Mill. DM) verfügt, der ihr eine Deckung der zwangsläufigen Unkosten und die Verteilung einer angemessenen Dividende auch dann ermöglicht, wenn das Neugeschäft vorübergehend einmal ausfallen sollte. Die Bank konnte auch bei der im letzten Jahr in größerem Umfang notwendig gewordenen Kursstützung – die eigenen Pfandbriefe stiegen dabei von 6,60 auf 13,33 Mill. DM – darauf verzichten, die zurückgeflossenen Papiere mit einem Bonus wieder zu veräußern oder „in Pflege zu geben“. Bemerkenswert sind bei diesem nun fast 90jährigen Institut für das Geschäftsjahr 1956 noch die Steigerung der Bilanzsumme auf über 500 Mill. DM, die im neuen Jahr weiter um 20 Mill. DM zugenommen hat, der Abbau der Ersatzdeckung von 11 auf 8 v. H. und die weitere Stärkung der Reserven auf jetzt 92 v. H. des AK von 10 Mill. DM. Damit hofft die Bank bis 1958 ohne Kapitalerhöhung auszukommen. Die Dividende wird im Hinblick auf die noch immer unübersichtliche Kapitalmarktlage nur auf 9 (8) v.H. erhöht. C. B.