In Tübingen starb am 4. April der bekannte Professor der Volkswirtschaftslehre Arthur Spiethoff im fast vollendeten 84. Lebensjahre.

Spiethoff ist vor allem durch seine Konjunkturtheorie bekanntgeworden, die er in verschiedenen Abhandlungen seit Beginn des Jahrhunderts vorlegte. Die letzte Zusammenfassung ist erschienen unter dem Titel „Die wirtschaftlichen Wechsellagen“ (Tübingen und Zürich 1955). Diese vollständige Ausgabe bringt auch die wichtigsten Daten der Konjunkturzyklen bis 1937.

Arthur Spiethoff hat als erster die Konjunkturtheorie auf eine systematische Tatsachenforschung gegründet. Als Schüler und langjähriger Assistent Schmollers betrachtete er sich als Fortsetzer der historischen Schule. Er selber vollzog aber mit seinen Arbeiten zur Konjunkturlehre, zur Kapitaltheorie und später zur Methodenlehre den Übergang zu einer an den Tatsachen orientierten „realistischen Theorie“. Ein Beleg dafür sind insbesondere die Arbeiten, die Spiethoff im Bonner Staatswissenschaftlichen Seminar über das Boden- und Wohnungswesen westdeutscher Städte schreiben ließ. Die Ergebnisse dieser wertvollen Arbeiten hat Spiethoff zusammengefaßt in seiner Schrift „Boden und Wohnung“ (Jena 1934).

Spiethoff wirkte von 1908 bis 1919 an der deutschen Universität in Prag, von 1919 bis 1939 an der Universität Bonn. Während seiner Bonner Jahre gab Spiethoff die angesehene Fachzeitschrift: „Schmollers Jahrbuch“ heraus. Zugleich war er Herausgeber der Staatswissenschaftlichen Abteilung der Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaften und wissenschaftlicher Schriftenreihen. – Die deutsche Wissenschaft verliert in ihm einen hervorragenden Altmeister seines Faches, einen vielseitig interessierten, aufrechten und warmherzigen Mann, der bis in sein hohes Alter in lebendiger Kraft und Wirkung stand. H. R.