RH, Hamburg

Könnten Rinder und Hammel lesen, wären sie am Montag früh beim Betreten der großen St. Pauli Markthalle am Schlachthof durch ein Transparent über dem Eingang überrascht worden: „Der Rassehund, euer treuester Freund, heißt euch alle herzlich willkommen.“ In der Rinder- und Hammel-Markthalle hatte nämlich am Sonntag die Internationale Rassehunde-Ausstellung stattgefunden.

Neunhundertundsechzig treueste Freunde begrüßten dort – erstaunlich wenige von ihnen mit Gebell – die Besucher. Veranstalter war der Landesverband Nord für das Deutsche Hundewesene.V.

So viele verschiedene Arten von Hundewesen hatte das Hundewesen e. V. hier versammelt, daß man – wäre einem diese Tatsache nicht vertraut – sich wundern müßte, wie alle diese völlig verschiedenen Tiere mit dem einen Namen Hund bezeichnet werden können.

„Wieder treffen wir uns in dem schönen Hamburg“, heißt es in der Einleitung zum Katalog, „um edle Vertreter jener Tiergattung zu bewundern, ohne die wir Menschen heute nicht auf der Welt wären“. Erschreckend zu lesen! Man fühlt sich wie der Reiter über den Bodensee, da man das gar nicht gewußt hat und es in einem Augenblick erfährt, wo man angesichts der Ergebnisse menschlicher Hundezucht eben im Begriff war, sich einzubilden, es sei umgekehrt, die Hunde wären ohne uns nicht auf der Welt. – „Hätte das Menschengeschlecht nicht dereinst in seinen ersten Anfängen mit dem Hunde seine größte und friedlichste Eroberung gemacht“, liest man weiter, „dann wäre es wahrscheinlich schon vorgeschichtlich untergegangen.“

Da sind wir also wieder noch einmal darangekommen!

„Im ältesten Religionsbuch der Perser“, teilt der Katalog dann mit, „finden wir den bekannten Ausdruck Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt.“ Mit doppeltem Respekt geht man an den Boxen entlang, in denen unsere Erhalter an Ketten liegen. Wirklich, sie sehen sehr verständig drein, zumal ihnen anzumerken ist, daß sie für diese vom Stolz ihrer Besitzer inszenierte Veranstaltung wenig Verständnis haben.