Das bei einigen Gesellschaften vorliegende offensichtliche Mißverhältnis zwischen dem freiwilligen Sozialaufwand und den für die Dividendenausschüttung zur Verfügung gestellten Beträgen hat die Aktionäre vieler Unternehmen wachsam gemacht. Die Zuweisungen an die Pensionsfonds, die (aus steuerlichen Gründen!) im Geschäftsjahr 1956 ungewöhnlich hoch waren, werden nach Inkrafttreten des Rentengesetzes am so mehr der Kritik unterliegen, als die (vielfach beträchtlichen) Rentenmehrbeträge jene freiwilligen Sozialleistungen der Betriebe an ihre Alterspensionäre in ihrer bisherigen Höhe nicht mehr erforderlich erscheinen lassen. Allerdings liegt nicht immer „sozialer Luxus“ vor, wenn die freiwilligen Sozialaufwendungen den für die Dividende erforderlichen Betrag überschreiten. Das Beispiel lieferte hierfür die H. Maihak AG, Hamburg.

Im Geschäftsbericht für 1956 wird der freiwillige Sozialaufwand mit 0,335 Mill. DM ausgewiesen, Das entspricht bei einem Aktienkapital von 1,8 Mill. einer Dividende von über 18 v. H., wenn die steuerlichenGesichtspunkte außer Ansatz bleiben; der Dividendenvorschlag für die Aktionäre belief sich dagegen nur auf 12 v. H. Diese Diskrepanz rief den Unwillen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hervor, die durch ihren Vertreter auf der HV die Sozialpolitik des Vorstandes angreifen ließ. Vorstand und Aufsichtsrat konnten diesen Vorstoß jedoch abfangen. Denn: wenn ein Betrieb wie die Maihak AG jedem Werksangehörigen (einschließlich der leitenden Angestellten) einheitlich eine Weihnachtsgratifikation von 100 DM gezahlt eine und sich die monatlichen Zuschüsse an die Pensionäre zwischen 40 und 100 DM belaufen und auch sonst nur nachweisbar vertretbare Aufwendungen gemacht worden sind, dann kann von Sozialer Üppigkeit in diesem Fall keine Rede sein. Die Ausgaben für soziale Zwecke liegen nach Mitteilung des Vorstandes etwa in der Mitte vergleichbarer Betriebe Hamburgs. Wenn dennoch der Vergleich zwischen den sozialen Lasten und der Dividende so ungünstig für die Aktionäre ausfällt, dann liegt es offensichtlich an dem geringen Aktienkapital des Unternehmens und der relativ hohen Arbeitnehmerzahl.

Diese Tatsache müßte es allerdings der Gesellschaft ermöglichen, überdurchschnittliche Dividenden zu zahlen. Und hier traf die Kritik der Schutzvereinigung zu, wenn sie statt der vorgeschlagenen 12 (11) v. H. volle 16 v. H. forderte. Die Verteidigung der Verwaltung, man liege mit 12 v. H. in der Spitzengruppe und habe doch 1 v. H. mehr als im Vorjahr bewilligt, kann nicht ganz befriedigen, Die Maihak AG hat ein ausgezeichnetes Geschäftsjahr hinter sich gebracht; die Bilanz macht einen tadellosen Eindruck und die Liquidität ist hervorragend, so daß schwer einzusehen ist, warum der Aktionär als Risikoträger nicht dem tatsächlichen Ertrag entsprechend beteiligt werden soll. Die Verwaltung begründet ihre „nur“ 12 V. H. mit der unsicheren weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Lage sowie mit dem Hinweis, daß hohe Dividenden nicht dem Wunsche des Bundeswirtschaftsministers entsprächen. Selbst wenn Prof. Erhard diese Auffassung haben sollte (sie war bislang weitgehend unbekannt), so gibt es prominente Vertreter des öffentlichen Lebens genug, die gerade die entgegengesetzte Ansicht vertreten. Das ist eine Argumentation, die zumindest angreifbar ist! Der bilanzierte Gewinnvortrag von 0,098 Mill. DM erlaubt es, die Dividende um 4 v. H. auf 16 v. H. zu erhöhen. Die Schutzvereinigung wird zu prüfen haben, ob die volle Ausschüttung rechtlich erreicht werden kann. Vorerst hat sie zum Jahresabschluß und zur von der Verwaltung vorgeschlagenen Gewinnverteilung Protest zu Protokoll gegeben. K. W.