Ist nicht das Fremden Verkehrsgewerbe, so eifrig es sich auch für das Wohl der Touristen einsetzen mag, ohne die Mitwirkung der Tauben nur ein prosaischer Zweckverband? Die sanften Friedensvögel verbrämen erst das Ganze mit Poesie. Ob sie in der Nähe ehrwürdiger Kathedralen oder an historischen Plätzen angetroffen werden, immer noch scheinen sie den Ölzweig zu tragen, mit dem sie Noah die angenehme Botschaft brachten. In ihrem Verzicht auf Gewaltanwendung schmarotzen sie in einer so geschmackvoll-unauffälligen Weise, daß niemand auf den Gedanken käme, ihnen Zwieback und Erdnüsse zu entziehen. Ja, sie haben es praktisch schon so weit gebracht, daß der Erfolg des Markusplatzes mitsamt seinem geflügelten Löwen, der Notre Dame mitsamt ihrem unfreundlichen Wasserspeier gründlich in Frage gestellt würde, zögen sie sich plötzlich vom Schauplatz zurück. Denn wer würde in London zum Trafalgar Square pilgern, wenn es dort nur Nelson auf seiner Säule gäbe, und in Mailand zur Piazza del duomo, wenn der gotische Baumkuchen der Kathedrale nicht von Hunderten von Tauben umschwärmt würde? Sie sind immer da, wie auf Bestellung, und die Teilnahme an ihrem Korso ist kostenlos.

Als Symbol findet man sie, von Nonnen gestickt, auf byzantinischen Altardecken wieder, von wo sie im Laufe der Jahrhunderte auf Venusbilder und holländische Stilleben überwechselten. Was sie früher den Goldschmieden als Schmuck für sakrale Gerätschaften bedeuteten, sind sie heute dem Photoamateur mit dem hundertfach abgewandelten Motiv: Ich, die Tauben und der Dogenpalast. Man muß einmal beobachten, wie sich das Volk zu dieser ununterbrochenen Vorstellung drängt: Hochzeitsreisende, die man an der Ausschließlichkeit ihrer zärtlichen Bemühungen erkennt. Ältere, schon gelangweilte Ehepaare merken bewegt, daß sich ihre Gefühle noch nicht ganz verbraucht haben. Schnöde Eigenbrötler lassen die Tauben wie Tellerminen unter ihren Füßen explodieren, indessen ein Sonntagsmaler sich an dem schillernden Farbenpastell ihrer Brustfedern entzückt. Die Schläfen vom Luftzug auffahrender Tauben gestreichelt, den fernen Schatten ihrer Rückkehr ahnend, fällt einem musikalischen Schwärmer Richard Wagners Lohengrin-Arie „Alljährlich naht vom Himmel eine Taube“ ein, und er fühlt eine gründliche Verachtung für die Photographierpose normaler Touristen. I. M.-S.

Teure Vogelfluglinie. Der Bau der sogenannten „Vogelfluglinie“, einer verkürzten Fährverbindung zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Laaland, würde rund fünf Jahre in Anspruch nehmen und 180 Millionen DM, hauptsächlich für den Ausbau des Hafens Puttgarden auf Fehmarn und die Errichtung einer neuen Brücke über den Fehmarn-Sund, kosten. Davon müßten die Bundesrepublik 120 Millionen und Dänemark 60 Millionen DM bezahlen. Diese Mittel sind bisher auf deutscher Seite noch nicht sichergestellt. Möglicherweise werden sich aber die Länder Holland, Belgien, Frankreich, Norwegen und Schweden an der Finanzierung dieses Planes beteiligen, dessen Verwirklichung die Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen Skandinavien und dem europäischen Kontinent erheblich verkürzen könnte.

Fernsehen im Zug. Der erste Fernsehzug ist auf den britischen Inseln für Ferienreisen und Sonderfahrten eingesetzt worden. Solange, bis man das Programm des normalen Fernsehsenders übertragen kann, werden von einem speziellen Aufnahme- und Studiowagen aus Unterhaltungsprogramme und Interviews übertragen.