Staatsstreich in Jordanien: Jordaniens Hauptstadt Amman war Schauplatz dramatischer Ereignisse, die jedenfalls vorläufig mit einem Sieg König Husseins über seine Widersacher endeten. König Hussein erzwang den Rücktritt des proägyptischen Ministerpräsidenten Nabulsi und verwies den ebenfalls antiwestlich und proägyptisch eingestellten Oberbefehlshaber der jordanischen Armee, Nawar, außer Landes. Neuer Ministerpräsident wurde Fahkri Khalidid und neuer Oberbefehlshaber Generalmajor Ali Hayari die beide, wie der König selbst, für eine Anlehnung an Irak und damit (über den Bagdad-Pakt) an den Westen sind. Von den ägyptenfreundlichen und linksorientierten Politikern gehört nur Nabulsi dem neuen Kabinett an, wodurch der König die Opposition zu versöhnen hofft. Alle anderen sind rechtsorientiert oder unabhängig Der Staatsstreich glückte, weil sich die arabische Legion auf selten des Königs stellte. Gelingt es König Hussein, die so gewonnene Position zu halten, hat der prowestliche Flügel in der arabischen Union einen wichtigen Sieg errungen.

Der Duncan Sandys-Plan: Englands Verteidigungsminister Duncan Sandys veröffentlichte ein Weißbuch über die britischen Rüstungspläne, aus dem hervorgeht, daß England die allgemeine Wehrpflicht abschaffen und seine Verteidigung von konventionellen auf Kernwaffen umstellen will. Der Truppenbestand soll im Laufe der nächsten fünf Jahre um mehr als die Hälfte verringert, die Luftwaffe weitgehend durch Fernraketen (die Amerika zu liefern versprochen hat) ersetzt und die Flotte stark reduziert werden. Auch die Garnisonen in Übersee, mit Ausnahme der beiden Krisenherde Hongkong und Aden, werden von der Kürzung betroffen. Der Duncan-Sandys-Plan, der in NATO-Kreisen stark kritisiert wird, ist weniger das Kind militärischer Überlegungen (wie etwa der Radford-Plan), sondern das Ergebnis von Premierminister Macmillans drastischen Sparmaßnahmen.

*

Die Abrüstungssackgasse: Auf einen amerikanischen Vorschlag, die gesamte Produktion von spaltbarem Material ab 1. April 1958 friedlichen Zwecken zuzuführen, ging der sowjetische Delegierte auf der Londoner Abrüstungskonferenz, Sorin, bisher nicht ein. Gleichzeitig wiederholte Moskau seinen Vorschlag, alle Versuche mit Kernbomben vorläufig einzustellen, ohne ein Wort darüber zu verlieren, daß gerade eben wieder in Sibirien umfangreiche Versuche mit H-Bomben stattgefunden haben.

*

Der Appell der Atomforscher: 18 namhafte deutsche Atomforscher veröffentlichten eine Erklärung gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen, worin es unter anderem heißt: „Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, daß es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwa ffen jeder Art verzichtet.“ Adenauer und Verteidigungsminister Strauß reagierten heftig gegen diesen Vorstoß der Professoren und befrachten ihn als unzulässige Einmischung in politische und militärische Fragen, zu deren Beurteilung ihnen die Kompetenz fehle. Im übrigen hatte der Appell der Professoren (wie zu erwarten) in Kreisen der deutschen Opposition in der Sowjetzone und im Ostblock ein günstiges Echo, im Regierungslager (mit Ausnahme von Atomminister Balke, der für sein friedliches Atomprogramm auf die Mitarbeit der Forscher angewiesen ist) und im westlichen Ausland ein ungünstiges. Sirius, 18. 4. 57