Die Mannesmann AG, Düsseldorf, nimmt eine weitere Kapitalerhöhung vor und wirft ihr Netz zu jenem Zeitpunkt in den seichten Kapitalstrom, an dem sich eine leichte Verflüssigung und mit ihr eine kleine Flutwelle andeutet. „Davon vollen wir etwas abhaben“, meinte Wilhelm Zangen, Vorsitzer des Vorstandes der Mannesmann-Gruppe, auf einer Pressekonferenz anläßlich Bekanntgabe der Einberufung einer aoHV auf den 2. Mai mit der Tagesordnung: Erhöhung des Grundkapitals um 150 auf 560 Mill. DM im Verhältnis 3:1 zu 100 v. H. mit Dividendenberechtigung ab 1. Mai 1957.

Das Verhältnis 3 : 1 ergibt sich aus der Mitbeteiligung der 40 Mill. DM Wandelschuldverschreibungen (WVS) von 1955 an der Kapitalerhöhung, so daß die rechnerische Ausgangsgröße, 450 und das endgültige Kapital einschl. WVS 600 Mill. DM betragen. Die Investitionen in der Schwerindustrie seien so groß, daß sie nicht aus Gewinnen und Abschreibungen allein finanziert werden können, so daß die klassischen Finanzierungsmethoden wieder in den Vordergrund treten werden, kommentierte Zangen. Im übrigen scheint der Verwaltung die Aufnahme langfristiger Anleihen zu den gegenwärtig hohen Zinssätzen nicht angebracht. Statt dessen gehöre es sich für eine ordentliche Geschäftsführung, bei der Bemessung des Grundkapitals die Ausgewogenheit der Relationen zwischen Kapital und Umsatz, zwischen eigenen Mitteln und Anlagevermögen und zwischen Kapital und Gesamtvolumen der Bilanz anzustreben.

Hierzu gab Wilhelm Zangen einige Zahlen. In einer vorläufigen konsolidierten Bilanz derMannesmann-Gruppe per 31. Dezember 1956 sind die Anlagewerte mit 1,2 bei einer Bilanzsumme von 2 Milliarden DM aktiviert. Vorräte und Bestände machen 400 Mill. DM aus. Der Umsatz der Gruppe einschließlich Handel, aber ohne die Zahlen der Auslandsgesellschaften (Brasilien und Kanada), belief sich 1956 auf 3,4 Mrd. DM, der über die Kundschaft verrechnete Umsatz auf 2,4 Mrd. DM, davon 1,9 Mrd. DM Umsatz aus eigener Produktion und 500 Mill. DM Umsatz aus Handel in fremden Produkten. Von dem Fremdumsatz von 1,9 Mrd. DM entfielen 19 v. H. auf Rohstoffe, praktisch Kohle, 20 v. H. auf Walzstahlerzeugung (ohne Röhren), 39 v. H. auf Röhren, 21 v. H. auf sonstige Weiterverarbeitungserzeugnisse und 1 v. H. auf diverse Reste. Der nicht montanunionspflichtige Weiterverarbeitungsanteil bei Mannesmann liegt also bei rund 60 v. H. des Gesamt-Fremdumsatzes. Die Rohstahlerzeugung hat sich seit 1952 bis 1956 von 1,16 auf 1,8 Mill. t, die Kohlenförderung von 3 auf 6,8 Mill. t und die Belegschaftszahl von 31 000 auf 72 500 erhöht bzw. mehr als verdoppelt.

Daß dieser Entwicklung die Kapitalverhältnisse angepaßt werden sollten, ist eigentlich selbstverständlich, aber gerade in der Montanindustrie immer noch nicht üblich. Hier gibt es noch eine große Reihe von Gesellschaften, die weit unterkapitalisiert sind und die daher ein unechtes Ertragsbild zeigen und eine irrtümliche Dividendenpolitik treiben. An diesen falschen Beispielen sollte man das neue Mannesmann-Kapital nicht messen, wohl aber an einer anderen Überlegung, aus der hervorgeht, daß das künftige Aktienkapital von 560 Mill. DM keineswegs als eine Verwässerung aufgefaßt werden kann.

Die Ertragslage bei Mannesmann ist weiterhin gut. Die steigenden Umsätze und die weitere Ausdehnung geben eine sichere Grundlage für eine optimistische Zukunftsbeurteilung. Die Geschäftsausweitung hat zusammen mit den Modernisierungen und Rationalisierungen und der leichten Preisanhebung im Herbst 1956 die steigenden Kosten zu bewältigen vermocht und sichert auch weiterhin eine mindestens gleiche Dividende wie bisher (9 v. H.). Man vermutet für 1956 eine Dividendenerhöhung, die Zangen für den Bereich der Essener Steinkohle bereits ankündigte. Hier wurden zuletzt 5 v. H. gezahlt. Man rechnet mit 6 bis 7 v. H.

Die Verzinsung des erhöhten Kapitals sei durchaus gesichert, meinte Zangen. Etwa 60 Mill. DM der Kapitaldecke würden aus den Überseeunternehmen von Mannesmann verzinst; 500 Mill. DM benötigten bei 9 bis 10 v. H. Dividende einen Ausschüttungsbetrag von 45 bis 50 Mill. DM, was bei einem Umsatz von 2,4 Mrd. DM durchaus zu verdienen sei.

Naturgemäß wurde die Verwaltung um Aufschluß gebeten, was sie mit den neuen 150 Mill. DM zu tun gedenke, nachdem erst im April 1956 eine Kapitalerhöhung von 90 Mill. DM durchgeführt worden war. Hierzu Zangen: 1956 brachte doppelt soviel Anlagezugänge wie Abschreibungen, nämlich 220 bzw. 110 Mill. DM. Über die Abschreibungen hinaus seien die Mittel aus der letzten AK-Erhöhung aufgezehrt worden. Das laufende Investitionsprogramm der nächsten Jahre betrage nach wie vor rund 500 Mill. DM für neue und Ersatzanlagen. Die Finanzierung sei aus Erträgen und Abschreibungen allein nicht zu schaffen. Man habe sich gegen die Obligation und für neues verantwortliches Kapital entschieden, weil man nicht immer nur steuerliche Gesichtspunkte in den Vordergrund stellen dürfe. Die 150 Mill. DM würden mit 50 Mill. DM für Ausbau und Modernisierung der Blechstraßen und ihrer Kapazitätserweiterung von 200 000 auf 420 000 Jahrestonnen, mit weiteren 50 Mill. DM für die entsprechende Ausrichtung der produktionellen Vorstufen und mit den restlichen 50 Mill. DM für die Konsolidierung der Auslandsbeteiligungen verwandt.