Am 23. April hielt der große Arzt, Künstler, Menschenfreund und Träger des Friedens-Nobel-Preises, Albert Schweitzer, einen Vortrag über die Bedrohung der Menschheit durch die Radioaktivität infolge der Versuche mit Atombomben. In seinem, von 140 Rundfunkstationen übertragenen ernsten Appell an die Regierungen und die öffentliche Meinung der Welt heißt es:

Mit anderen, die sich für verpflichtet halten, in diesen Tagen als Mahner in Wort und Schrift aufzutreten, erhebe ich meine Stimme. Mein Alter und die Sympathie, die mir die von mir vertretene Idee der Ehrfurcht vor dem Leben eingetragen hat, lassen mich hoffen, daß meine Mahnung mit dazu beitragen kann, der Einsicht, die not tut, den Weg zu bereiten ...

Keine Radioaktivität der Luft, die durch die bei Explosionen entstandenen radioaktiven Elemente verursacht wurde, ist so geringfügig, daß sie nicht auf die Dauer zu einer Gefahr für unseren Körper werden kann.

Zugleich mit unserer Gesundheit ist auch die unserer Nachkommen gefährdet. Die ganze Verheerung, welche die radioaktive Strahlung anrichtet, wird nach den in der Vererbung geltenden Gesetzen nicht gleich in den folgenden Generationen, sondern erst in den späteren, nach 100 oder 200 Jahren, offenbar ...

Wir sind also genötigt, jede Steigerung der bereits bestehenden Gefahr durch die weitere Erzeugung von radioaktiven Elementen durch Explosionen von Atombomben als ein Unglück für die Menschheit anzusehen, das unter allen Umständen verhindert werden muß ...

Daß in der Natur von uns geschaffene radioaktive Elemente vorhanden sind, ist ein unfaßliches Ereignis in der Geschichte der Erde und der Menschheit. Die Bedeutung dieser Tatsache und ihre Folgen zu unterschätzen, wäre eine Torheit, welche die Menschheit furchtbar teuer zu stehen kommen kann...

Im Grunde denken die Staatsmänner der Atombomben herstellenden Völker nicht anders. Durch die ihnen zugehenden Berichte sind sie genügend unterrichtet, um sich ein Urteil zu bilden. Und Verantwortungsbewußtsein müssen wir bei ihnen auch voraussetzen...