Wer während der „tausend Jahre“ der Hitler-Diktatur darauf angewiesen war, sein Informationsbedürfnis allein aus der zentralgesteuerten Presse zu befriedigen, kam – wenn er recht zu lesen verstand – auf seine Kosten, indem er auf den Textteil verzichtete und dafür den Anzeigenteil studierte. „Wie sich die Bilder gleichen ...“ Da berichtet „Neues Deutschland“, das Zentralorgan der deutsch sprechenden Bolschewisten, in jeder Textspalte von „Großtaten“ und „Errungenschaften“ des angeblichen Sozialismus. Aus den seltenen und wenigen Anzeigenseiten aber erfährt man, daß ein modischer Herren-Übergangsmantel aus importiertem Stoff in der HO z. Z. für die Kleinigkeit von 355 Ostmark zu haben ist, daß technische Fachkräfte aller Art dringend gesucht werden, weil viele und nicht die schlechtesten von ihnen schon vor Jahren der Zone den Rücken gekehrt haben, daß kleinste Mengen Goldbronze, gebrauchte Kartoffelsäcke, 100 Meter Feldbahngleise, 41 kg Kupferdraht, zwei gewöhnliche Holzbaracken, Faltschachteln, Flaschenzüge, Konservengläser und manches andere Requisit des profanen wirtschaftlichen Alltags „dringend“ bis „dringendst“ gesucht werden.

Man stößt auch auf folgendes Angebot: „Achtung! In Kürze lieferbar: Größere Anzahl Lastkraftwagen SIS, Typ SIS 5, Baujahr 1940/42, Benzinmaschine, etwa 75 PS, sechsfach bereift, Nutzlast 3,5 t, Aufbau, Pritsche, fahrbereit, Verkaufspreise etwa 6000 bis 6500 DM. Der Verkauf erfolgt nur gegen Vorlage einer Kaufgenehmigung der Bezirksdirektionen für Kraftverkehr der jeweiligen Bezirke.“ Als Anbieter dieser Großväter der sowjetischen Motorisierung zeichnet: „Staatliches Vermittlungskontor für Maschinen- und Materialreserven, Spezialfachgebiet für gebrauchte Fahrzeuge, Bereifung und Zerlegung, Dresden A 1.“

In nicht so „fortschrittlichen“ Breiten firmiert ein solches Unternehmen weniger klangvoll unter „Schrottverwertung“ oder „Autoausschlachtung“. Unter „sowjetischen Freunden“ aber läßt man sich mangels zeitgemäßer Beförderungsmittel den „sozialistischen“ Schrott kräftig honorieren und gibt ihn nur an privilegierte Bezieher ab. gns.