Algier, eine langweilige Stadt – Die Großväter kamen aus Metz und Straßburg

Von I. Montanelli

Indro Montanelli, Korrespondent des Corriere della Sera und ein alter Bekannter der ZEIT-Leser (zuletzt durch seine Berichte aus Ungarn) besucht zur Zeit Algerien. Sein nachstehender Bericht schildert die dortige Lage, insbesondere die Kluft, die zwischen den Franzosen Algeriens und denen des Mutterlandes besteht, und wendet sich gegen die landläufigen Klischees von Algerien.

Algier, im April

Der Höhepunkt der politischen Krise in Algier trug im Januar den Namen des Generals Faure. Faure ist ein Mann von 54 Jahren, guter Soldat und keineswegs ideenarm, aber leider überzeugt, von der Vorsehung ausersehen zu sein, das Vaterland zu retten.

Damals wurden die in Algerien stationierten Truppen von Paris und dem Parlament heftig kritisiert wegen ihrer Exzesse, die man an Ort und Stelle nützlich und deshalb zulässig fand. Es ist schwer und vielleicht auch verfrüht, Abschließendes über diese düstere Angelegenheit zu sagen, die nach den Enthüllungen Servan-Schreibers im L’Express neuen Staub aufgewirbelt hat. Wir begnügen uns, festzustellen, daß die Mehrzahl der Europäer in Algier auf Seiten der Armee steht. Damals im Dezember-Januar ertönte überall der Ruf: „Die Armee an die Macht!“ Mitten hinein in diese erregte und von allseitigem Mißtrauen erfüllte Atmosphäre platzte die Bombe von der Entdeckung einer „geheimen Verschwörung“. Sie sollte den Gouverneur Lacoste beseitigen und General Faure und einige andere Militärs an seine Stelle setzen. Und da sich praktisch Frankreichs gesamte Armee auf afrikanischem Boden befand, wäre es für Faure ein leichtes gewesen, bei etwaigem Widerstand der Zentralregierung Algerien als Sprungbrett zu einem Marsch auf die Hauptstadt zu benutzen, wie dies Franco von Marokko aus getan hatte.

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