Während die Hauptversammlungen der Commerzbank-Bankverein AG, Düsseldorf, und der Commerz- und Credit-Bank AG, Frankfurt (Main), ihre Beschlüsse einstimmig faßten und sich damit für den Weg, den die Commerzbank-Gruppe künftig gehen will, ohne Widerspruch einverstanden erklärten, meldete bei der Commerz- und Disconto-Bank AG, Hamburg, ein Aktionär erhebliche Bedenken gegen die Form der weiteren Zusammenarbeit an. Im Verlaufe der erfreulich sachlich geführten Debatte schälten sich zwei Sorgen des Aktionärs heraus, die er – auch das zeigte die HV – mit noch weiteren Freunden des Hamburger Instituts teilte. Einmal fürchtete er, daß eines Tages auch eine kapitalmäßige Majorisierung durch den Bankverein erfolgen könnte und daß dann die Commerz- und Disconto-Bank nicht mehr über das Maß an Selbständigkeit verfügen wird, das sowohl Kundschaft als auch Aktionäre für wünschenswert halten. Zum anderen bezweifelte der opponierende Aktionär die Zweckmäßigkeit der vom Bankverein in der Commerzbank-Gruppe vorgenommenen Kapitalverflechtung (der Bankverein besitzt die „HV-Majoritäten“ in Hamburg und Frankfurt). Die Tatsache, daß der Bankverein erhebliche Mittel seiner Aktionäre und seiner Kundschaft dazu benutzt habe, um Aktien der Schwesterinstitute zu erwerben, beschränke das westdeutsche Institut in seiner Bewegungsfreiheit. Gleichzeitig sei eine in Krisenzeiten nicht unbedenkliche Art der Risikobindung vorgenommen worden.

Die Hamburger Verwaltung konnte sich nur gegen den ersten Teil der Vorwürfe verteidigen. Mit Recht deutete sie an, daß sich die Hauptbedenken des Aktionärs gegen den Bankverein richteten, also in Düsseldorf hätten vorgebracht werden müssen. Die Vorstandsmitglieder Gebhardt und Reinold erwiderten übereinstimmend, daß sich die in der Commerzbank-Gruppe gewählte Form günstig auswirken wird, weil sie den beteiligten Banken in ihren geschäftlichen Entscheidungen volle Selbständigkeit lasse, so daß auch künftig den durchaus regionalen Verhältnissen und Bedürfnissen in der bisherigen Weise Rechnung getragen werden könne, während der Rückhalt, den die drei Institute untereinander haben, ihnen auch die erforderliche Stoßkraft gibt. Im übrigen, so wurde in Hamburg erklärt, sei der Weg für eine andere Lösung nicht verbaut. In ähnlicher Weise äußerte man sich auch in Frankfurt, wo der AR-Vorsitzende, Konsul Prof. Dr. Möhring, darauf hinwies, daß die derzeitige Form nur ein erster Schritt bis zur endgültigen Wiedervereinigung sei. Wahrscheinlich werde nach der Wiedervereinigung eine andere Regelung erfolgen. In Hamburg sprach Wilhelm Reinold von einer „milden Verzahnung“, die einer „brutalen Fusion“ vorzuziehen sei, denn im letzteren Falle hätte sich das starke Übergewicht des Bankvereins innerhalb der Gruppe voll ausgewirkt. Die jetzt vorliegende Lösung sei das Ergebnis zweijähriger Verhandlungen und das beste, was sich unter den gegebenen Verhältnissen finden ließe.

Der mit großem Ernst um die Einstimmigkeit der HV-Beschlüsse ringenden Hamburger Verwaltung ist es nicht gelungen, den Protest, den der widersprechende Aktionär gegen die Wahl Fritz Hofermanns, Vorstandsmitglied des Bankvereins, in den AR des Hamburger Instituts einlegte, zu verhindern. Höfermann amtiert dort nunmehr als stellvertretender Vorsitzender. Er nimmt damit die gleiche Stelle ein wie sein Vorstandskollege Dr. Hanns Deuss, der in den AR der Commerz- und Creditbank AG, Frankfurt/Main, gewählt werden ist. -ndt