Das wird die Hausfrau interessieren: sie braucht künftig keine Pinsel, Bürsten, Lappen und Wattebäusche mehr, um klebrige, färbende oder sonstige heikle Erzeugnisse aufzutragen. Man kann sich auch bei solchen Arbeiten das Waschen, Nacharbeiten oder Polieren ersparen; besondere Behältnisse, um das Material zu verstauen, sind entbehrlich: es genügt der „Druck auf den Knopf“ einer kleinen handlichen Dose. Das Produkt wird nunmehr in gebrauchsfertiger Form zerstäubt, aufgesprüht, verschäumt oder trocken aufgepudert. Durch die neuartige Druckzerstäuber- oder Sprühpackung, auch kurz Aerosol genannt, ist eine neue Verwendungstechnik geschaffen worden; die Verpackung selbst ist zum Gerät geworden. Verwendungsverfahren und Gerät sind ungleich einfacher, rationeller, Arbeit und Material sparender, sauberer und nicht zuletzt wirksamer als das bisher übliche. Geläufige Produkte gewinnen in der neuen „Aerosolform“ neue Vorzüge; darüber hinaus sind aber auch neuartige Erzeugnisse möglich geworden, die viele Probleme im Haushalt, in der Landwirtschaft und im Gewerbe zu lösen vermögen.

Die Druckzerstäubung kommt insbesondere den Wünschen der Damen entgegen: nicht nur durch die Vereinfachung der Schönheitspflege, sondern ebensosehr der Haushaltsführung – Kinder, Mobiliar, Tier und Pflanze einbegriffen, und übrigens auch die Männer. Stets haben ja die Männer umständliche Arbeiten gern den Frauen überlassen ... Dafür haben Männer der Chemie nun die Druckzerstäubung erfunden: sie beruht darauf, daß man unschädliche (unbrennbare!) Gase, wie das „Frigen“ der Farbwerke Hoechst, durch Druck oder Kälte verflüssigt, mit dem Produkt vermischt und in einen Behälter abpackt. Bei Raumtemperatur entsteht im Behälter ein Überdruck; betätigt man nun ein Ventil mit „Druck auf den Knopf“, so entweicht das verflüssigte Gas-Produkt-Gemisch mit großer Geschwindigkeit aus dem Behälter... An der freien Luft dehnt sich das Produkt um das 200fache seines flüssigen Volumens aus, indem es sich wieder in seine Gasform verwandelt, so daß – und dies ist der besondere Trick – in diesem Verdampfungsprozeß das beigemischte Produkt in feinste Partikel „zerstäubt“ wird. Bei der „Feinzerstäubung“ können die Teilchen so klein gehalten werden, daß sie wie Nebel oder Rauch oder Staub (die bekanntlich feinste Ritzen durchdringen können) in der Luft stundenlang schweben, und diese Schwebeprodukte bezeichnet man als „Raum-Aerosole“. Zur Beschichtung oder auch zur besseren Durchdringung von Oberflächen werden etwas größere Partikel erzeugt, wodurch sich feinste Filme bilden lassen. In diesen Sprühverfahren gewinnen die Wirkstoffe teilweise ganz neue Eigenschaften, sie erhalten z. B. eine größere Tiefenwirkurg, sie vermögen Haar oder Gewebefasern „einzeln“ zu umhüllen, ohne sie zu verkleben, sie können aber auch unregelmäßige, poröse Oberflächen „versiegeln“ und ihnen eine gleichmäßig glatte Beschichtung verleihen. Wird das Produkt trocken im Treibgas gelöst, so gewinnt es nach dem Verdampfen des Gases die trockeie Puder- oder Pulverform zurück, ohne beim Auftrag zu stauben. Der Auftrag läßt sich fein regulieren. Schließlich ermöglicht der Verdampfungsprozeß des Gases auch das Verschäumen entsprechend geeigneter Produkte direkt aus der Dcse bei relativ ganz geringem Wassergehalt; es lassen sich also nichtfeuchtende Schäume erzeugen, jenachdem, wie der Zweck es erfordert.

Bisherige Spritzverfahren, Vernebelungsverfahren oder Spritzflaschen konnten nur flüssige Materialien verwenden; sie ergaben entweder nur grobe nasse Tröpfchen unterschiedlicher Größe, oder sie bedurften umfangreicher Apparaturen. Die Druckzerstäubung stellt keine „andere Spritztechnik“, sondern eile nach Vielseitigkeit und Wirksamkeit neuartige Zerstäubungstechnik dir. Für den Verbraucher sind die besonderen Wirkungen oder Vorzüge bestehender Produkte In Druckzerstäuber-Packung vielleicht interessanter als die Technik ihrer Herstellung. Indessen ist es gut, die Unterschiede zwischen dem mechanischen „Spritzen“ und dem chemisch bewirkten „Zerstäuben zu kennen, weil es sich dabei um ganz verschiedene Qualitäten des Produkts handelt. – Im folgenden soll eine kurze Übersicht bereits auf dem Markt befindlicher Sprühpackungen gegeben werden:

Kosmetische Präparate: An der Spitze stehen die Frisur-Fixative (Haarnetze), wo die Feinzerstäubung anderen Auftragsverfahren deswegen vorgezogen wird, weil sie keine feuchtenden, verklebenden oder „backenden“ Wirkungen haben. Das frisierte Haar bleibt nach dem Besprühen locker, aber die Frisur „sitzt“ und kann durch Legen mit einem feuchten Kamm noch mehrere Tage danach schnell wiederhergestellt werden. Dazu kommen Haarlacke in verschiedenen Tönungen; ölige Haarglanzmittel, Haar-Bronzen (Gold und Silber) u. a. m., die ähnliche Eigenschaften besitzen und alle schnell ausgewaschen werden können. Bei Parfüms, Kölnisch Wasser und Körper-Desodorants vermittelt die Zerstäuberform den Vorzug des tiefen Durchdringungsvermögens in die Oberflächen von Haut und Kleidung sowie die schnelle und besonders vollständige Duftentfaltung. Zahlreiche Erzeugnisse sind bereits herausgekommen, und weitere werden bald folgen, z. B. auch Puder für kosmetische und pharmazeutische Zwecke.

Schaumprodukte. Die Zerstäuberform erzeugt besonders zähe, nichtfeuchtende und dichte Schäume bei größerer Ergiebigkeit, wie z. B. von Rasierschaum, Cremes oder pharmazeutischen Präparaten an Stelle der Salbenform (z. B. Sonnenbrand- und Brandpräparate in Schaumform, absorbierende Wundpräparate usw.), ferner Textil-, Pelz- und andere Reinigungsmittel in nichtfeuchtender Schaumform. In den USA zählen außerdem Schlagrahm und Tortenguß zu den beliebtesten Zerstäuberpackungen, da der Schaum in beliebiger Menge jederzeit aus der Dose erzeugt werden kann. Zu den jetzt erhältlichen Rasierschäumen werden in naher Zukunft auch die anderen Schaumprodukte treten.

Luftverbesserer. Nicht nur in Städten, sondern allerorts und in allen Wohn- und Tätigkeitsbereichen ist die Luftverunreinigung zu einem ernsten Problem geworden. Durch die Feinzerstäubung entsprechender Wirkstoffe zu. gasförmigen, nichtfeuchtenden Nebeln ist es nun möglich geworden, die Raumluft von Gerüchen und Dünsten aller Art, von Staub und Krankheitskeimen oder Fäulniserregern zu reinigen. Zwar kommt „frische Luft“ immer noch durchs Fenster, aber die mit ihr eindringenden Industrie- und Verkehrsabgase, Ruß und Teppichflocken, die nachbarlichen oder eigenen Küchendünste von Kohl, Fisch oder verbrannten Topflappen – all solche Ergebnisse des zivilisatorischen Fortschritts können nunmehr aus der Luft „ausgefällt“ werden. Die schwebenden Wirkstoffe wirken wie ein reinigender Kamm und sind meist auch mit Duftstoffen versetzt, die eine „frische“ Atmosphäre schaffen. Frische Luft aus der Dose wird von etwa sechs bis acht Herstellern produziert. Gegen spezielle Luftverunreinigungen, wie sie in manchen Tätigkeitsbereichen entstehen, können unschwer besondere Wirkstoffe entwickelt werden.

Insektenmittel. Hier bietet die Druckzerstäubung zwei wesentliche Vorzüge: hochwirksame (und manchmal giftige) Insektenmittel können nun in „Verbraucherpackung“ über den offenen Handel vertrieben werden, weil die unzulängliche Packung vor zufälligem Mißbrauch schützt und die Mitte! verbrauchsfertig in unschädlicher Zusammensetzung (Verdünnung) abgepackt sind. Im Gebrauch sind die Mittel nunmehr für Mensch, Kleintier und Pflanze unschädlich, wenn auch offene Nahrungsmittel davor geschützt werden sollen. Zur Sicherheit kommt die Wirksamkeit: Zu „Schwebestoffen“ zerstäubt, können nun erstmalig fliegende Insekten (Mücken, Fliegen, Bremsen, Motten, Wespen usw.) zuverlässig in der Luft „erfaßt“ und vernichtet werden, wobei einige kleine Sprühstöße am Tag den Raum säubern. Allmählich setzen sich die wie Gas in der Luft schwebenden Insektenwirkstoffe unsichtbar an Wänden, Decken, Fußböden und alle Oberflächen ab und durchdringen mit der Raumluft auch feinste Ritzen, so daß die Wirkstoffe also auch gegen kriechendes Ungeziefer (Wanzen, Flöhe, Schaben, Ameisen, aber auch Blattläuse, Tierparasiten, Maden usw.) wirken. Richtet man den Sprühstrahl auf Ritzen, Ecken, verstellte Winkel oder unzugängliche Verstecke, so lassen sich nun endlich auch die Nistplätze der Schädlinge erreichen. „Aerosol“-Insektenmittel haben sich sogar den Vergasungen von Wohn- oder Geschäftsräumen, Lagerräumen, Tierställen usw. überlegen erwiesen, weil sie „gezielt“ und dauernd angewendet werden können. Überdies gibt es kaum eine einfachere, überall anwendbare Methode.

Heute sind etwa 20 Insektizide zur meist universellen Verwendung gegen fliegende und kriechende Insekten und Schädlinge auf dem Markt; dazu kommen einige „Abschreckmittel“ (Repellents) gegen den Befall von Mensch und Tier durch Insekten. Künftig werden noch Spezialinsektizide für Tier, Gartenbau und Gewerbe hinzukommen. Na.