Es war ein richtiges Ostergeschenk, das die Rheinstahl-Verwaltung nicht nur für ihre über 85 000 Belegschaftsmitglieder bereitgehalten hatte, als die weitere Neuorganisation des Konzerns bekannt wurde. Nach dem Grundsatz der gesunden Dezentralisation werden die durch die Entflechtungsdiktate entstandenen Zwischen-Holdings der ehemaligen Gießerei- und Verarbeitungs-Gruppen der Vereinigten Stahlwerke AG durch Fusion auf Rheinstahl verschwinden, wobei die Produktionsgesellschaften selbständig bleiben, die Führung aber im Konzern-Vorstand zusammengefaßt ist. Unter dem Rheinstahl-Dach ist nunmehr für die unterschiedlichen und jeweils wechselnd konjunkturempfindlichen Produktionsgebiete ein wirtschaftlicher Verbund geschaffen worden, der nicht nur den Aktionären, sondern im besonderen auch den Belegschaften zugute kommen wird. Die Neuplanung ist mit weiter Sicht voraus gemacht worden. Sie hat den Segen der Hohen Behörde und die Unterstützung des DGB sowie der beiden Industriegewerkschaften Bergbau und Metall gefunden, zumal Rheinstahl das an sich erst für die Gruppe 1958 wirksam werdende Gesetz über die Holding-Mitbestimmung schon jetzt einführt.

Als Rheinstahl im Dezember 1953 erstmalig an seine Aktionäre nach zehnjähriger Unterbrechung herantrat, ichrieben wir auf diesen Seiten, daß sich hier in den nächsten Jahren in aller Stille ein goldumränderten Konzern aufbauen werde. Die jetzt bekanntgewordenen Verschmelzungsverträge, Umtauschangebote, Dividenden und Ausgleichszahlungen zusammen mit dem überaus günstigen Bezugsangebot für alle Aktionäre, übersteigen sogar die optimistischen Erwartungen. Wir rekapitulieren jene vor Ostern bekannt gewordenen Anträge zu den Hauptversammlungen in der zweiten Hälfte Juni: Antrag auf Fusion der Rheinstahl-Union Maschinen- und Stahlbau AG, Düsseldorf, und der Rheinisch-Westfälische Eisen- und Stahlwerke AG, Mülheim, auf Rheinstahl derart, daß für je 1000 DM Unions-Aktie 1000 DM neue Rheinstahl-Aktie und auf je 1000 DM Rheinwest-Aktie 1200 DM Rheinstahl-Aktie (Umtausch also 1 : 1 bzw. 1 : 1,2) gegeben werden. Unter Berücksichtigung der Besitzverhältnisse von knapp 80 v. H. an Union und knapp 68 v. H. an Rheinwest werden für den Umtausch 11,23 Mill. DM neue Rheinstahl-Aktien für die Unions-Aktionäre und 26,782 Mill. DM für die Rheinwest-Aktionäre benötigt. Damit erhöht sich das AK von Rheinstahl von rund 240 Mill. sozusagen automatisch um rund 38 auf rund 278 Mill. DM. Es soll um weitere 91,15 Mill. DM auf 370 Mill. DM derart erhöht werden, daß allen Aktionären, also auch den aus der Union und aus Rheinwest herübergekommenen neuen Aktionäre! ein Bezugsrecht 3:1 zu 100 v. H. mit Dividendenberechtigung ab 1. Juli 1957 gegeben wird.

Außerdem sind die Dividenden beträchtlich erhöht worden. So bezahlt für 1956 Rheinstahl 9 (7) v. H., Rheinwest für 1955/56 9 (7), Rheinstahl-Union 8 (5), Ruhrstahl 9 (6) und Arenberg-Bergbau 6 (4). Außerdem erhalten wegen Umstellung der Geschäftsjahre auf das Kalenderjahr und Stichtag der Fusion auf den 1. Januar 1957 die freien Aktionäre eine Ausgleichszahlung für das letzte Quartal 1956, die die Rheinstahl-Verwaltung hofft, steuerfrei regulieren zu können. Dadurch erhöhen sich die Gesamtdividenden bei Rheinwest auf 11,7, bei der Union auf 10,25 und bei Ruhrstahl auf 11,25 v. H.

Die Rheinstahl-Gruppe hat einen Jahresumsatz von etwa 2,4 Md. DM erreicht. Auf der Grundlage dieses Geschäftserfolges und seines weiteren Ausbaues ist ein Investitionsprogramm von rd. 1 Mrd. DM aufgebaut, das mit etwa 170 Mill. DM bereits in 1956 angelaufen ist und das bis 1960 weitere rd. 850 Mill. DM vorsieht Dieses Investitionsprogramm dürfte in der Größenordnung von ca. 680 Mill. DM aus Abschreibungen und eigenen Mitteln zu finanzieren sein. Die Differenz wird durch die Kapitalerhöhung von rd. 90 Mill. DM zunächst gedeckt. Der zur Zeit rechnerische Fehlbetrag von weiteren 200 Mill. DM dürfte vielleicht in einigen Jahren durch eine weitere Kapitalerhöhung oder durch eine Anleihe hereinkommen, soweit diese Summe nicht durch eine im gewissen Umfange zu erwartende erneute Verbesserung der Erträge, ferner durch Veräußerung noch im Portefeuille liegender Restwerte (zum Beispiel an IG-Nachfolgern und ähnlichem) aufgefüllt wird. Aber dies wäre lediglich eine Vermutung. Jedenfalls wird den Hauptversammlungen dieser neben den IG Farben-Nachfolgern der Aktionärzahl nach größten deutschen Aktiengesellschaft ein akzeptables Programm vorgelegt. Es stellt den vorläufigen Schlußstein einer nicht nur überaus mühevollen, sondern auch an alliierten Fußangeln reichen Vergangenheit dar. Rlt.