Wenn auch das Schwergewicht der hannoverschen Messe bei den Investitionsgütern liegt, so kann doch die Konzentration mehrerer Konsumgüterbranchen nicht übersehen werden. Dem Charakter des Messeplatzes entsprechend, stellen vor allem exportinteressierte Gruppen aus. Im erweiterten Messehaus sind diesmal über 550 Firmen der Branchen Porzellan und Keramik, Glas, Schmuck-, Silber- und Metallwaren, Uhren, Schneidwaren und Bestecke vertreten.

Zahlenmäßig am stärksten sind die 200 Firmen von Schmuck-, Silber- und Metallwaren. Dieser Industriezweig wird nahezu geschlossen vertreten sein. Bei den Groß-Silberwarenfabriken werden zahlreiche neue Modelle von Kaffee- und Teeservicen, von Vasen und Krügen, Tabletts und Schalen, von Leuchtern, Kästen und Dosen sowie von Rauchgarnituren erwartet. Dabei wird die Tendenz zu strengeren, modernen Formen auffallen, ohne daß das bewährte, dem Silber als Material besonders gemäße barocke Dresdner Hofmuster ganz in den Hintergrund treten wird. – Beim Angebot der Kleinsilberwaren-Industrie dürfte wieder der Geschenkcharakter der einzelnen Artikel vorherrschen.

Zu modernen Formen ist in den letzten Jahren auch die Silberbesteckindustrie übergegangen. Die anhaltend günstige Absatzlage dieser Industrie zeugt von der Wertschätzung ihrer Produkte in In- und Ausland. Man verspricht sich vom reichhaltigen und preisgünstigen Messeangebot an versilberten und silbernen Bestecken eine weitere Aufwärtsentwicklung des Absatzes und äußert dabei die Hoffnung, daß die noch vielfach beim Export hemmenden Einfuhrschwierigkeiten einzelner Länder bald überwunden werden,

Umfassend wird auch das Angebot der Goldwarenindustrie sein, angefangen von Anstecknadeln und Ohrringen über Broschen und Ringe bis hin zu schweren und schwersten goldenen Halsketten und Armbändern.

Mit 170 Ausstellern versprechen die Firmen der Porzellan-, Steingut- und Feinsteinzeugindustrie wieder ein lückenloses Angebot. Die westdeutsche Haushaltsporzellan- und keramische Industrie wird in drei Geschossen des Messehauses vollzählig vertreten sein. Die gesamte westdeutsche Fertigung von Geschirr und Ziergegenständen aus Porzellan, Steingut, Feinsteinzeug und anderen keramischen Massen erreichte 1956 einen Produktionswert von 350 Mill. DM.

Der Produktionswert der technischen Keramik (Hoch- und Niederspannungs-Isolatoren, elektrische Widerstände, keramische Kondensatoren und Hochfrequenzbauteile) betrug 1956 130 Mill. DM. Für beide Gruppen, also sowohl für die Haushaltskeramik als auch die technische Keramik, treten zunehmend als Konkurrenten auf dem Weltmarkt Japan, die sowjetisch besetzte Zone und die Tschechoslowakei auf. Die „Arbeitsgemeinschaft Keramische Industrie“ erklärt hierzu, daß alle drei Konkurrenten infolge niedrigerer Löhne und staatlicher Subventionen in der Lage seien, bedeutend billiger anzubieten. Das gelte in erster Linie von Japan. Hier lägen die Frauenlöhne nur ein Drittel so hoch wie in Westdeutschland. Die japanische Ausfuhr allein an Haushaltgegenständen aus keramischen Massen habe 1956 128 000 t betragen und sei damit bedeutend größer gewesen als die gesamtdeutsche Produktion für In- und Ausland. Preislich lägen diese japanischen Erzeugnisse in der Regel um 50 bis 60 v. H. unter den westdeutschen Preisen, zum Teil aber auch noch darunter.

Um so bemerkenswerter ist, daß unsere westdeutsche Industrie den hohen Exportanteil erreichen und halten konnte. Das wird auch auf eine intensive Marktbeobachtung und die Anpassungsfähigkeit an die Wünsche der Abnehmer zurückgeführt. Das Angebot an Porzellan, Steingut und Feinsteinzeug sowohl in Tafel- und Kaffeeservicen als auch in Geschenkartikeln aller Art ist so umfangreich, daß jedem Geschmack Rechnung getragen wird.

Im Messehaus sind weiter 100 Firmen der Glasindustrie untergebracht, während in der Halle der Elektroindustrie – wie in den vergangenen Jahren – die Firmen der Sparten Beleuchtungsglas und Kristallkronleuchter ausstellen. Unter den Ausstellern der Glasindustrie befinden sich auch bekannte Firmen aus dem westeuropäischen Ausland. Es wird darauf hingewiesen, daß unsere westdeutsche Glasindustrie trotz mancher Veränderungen in den Außenhandelsbeziehungen ihren Export wertmäßig um fast 10 v. H. steigern konnte. Als besonders erfreulich wurde auch bei einzelnen Glassparten die zunehmende Nachfrage nach guter Qualität vermerkt. Die Preise haben sich zum größten Teil gegenüber dem Vorjahr erhöht, sie entsprächen aber keineswegs den inzwischen eingetretenen stark gestiegenen Entstehungskosten. D.