D. L., London, im April

In den Schaufenstern der Londoner Oxford Street wie in den Auslagen der kleinen englischen Provinzstädtchen sieht man seit Jahren wieder deutsche Kameras, Porzellane, Radioapparate und Schreibmaschinen und Hunderte von anderen Dingen. Man sieht Mercedes 300, Volkswagen, Kabinenroller und NSU-Quickly. Aber deutsche Moden sieht man nicht. Von Deutschland erwartet man Maschinen, aber keine Moden – die kommen aus London, Paris, Rom und vielleicht noch aus Madrid.

Doch die deutschen Moden kommen nun auch; nach einer Unterbrechung von fast 20 Jahren und wohl unerwartet, doch mit viel Aplomp und viel Applaus. Die Veranstaltung im Dorchester Hotel, in dem sechs führende Berliner Modehäuser mit einem Dutzend gut gewählter Mannequins ihre erste Nachkriegsmodenschau „zelebrierten“, machte fast den Eindruck eines diplomatischen Empfangs. Die Firmen Claussen, Horn-Modelle, Schröder & Egginghaus, Staebe-Seger, Schwabe und Schwichtenberg kamen mit Eleganz und Originalität. Sie zeigten Modelle aus Tweed und Shetlandwolle, tauften andere Modelle „Grosvenor Street“ und „Ascot“ und erreichten schnell eine Atmosphäre der Vertrautheit und Selbstverständlichkeit. In den Schaufenstern der Oxford Street, wie in den Auslagen kleiner Provinzstädtchen wird man vielleicht auch bald wieder deutsche Moden sehen ...